Die Partei bei Antonio Gramsci (*)
Eines scheint die Beschäftigung mit dem Werk Antonio Gramscis mit dem amerikanischen Dollar gemeinsam zu haben: sie unterliegt starken Schwankungen, und zur Zeit haben wir Baisse. Marburger Verhältnisse mögen dabei eine Ausnahme sein.
Gemeinhin ist heute eher die Zeit für Nachrufe. Nachrufe - und das mag ja noch angehen - auf Antonio Gramsci, Nachrufe andererseits auf die Gramsci-Debatte, die - grob eingeteilt - von der Mitte der siebziger bis zu Anfang der achtziger Jahre in der Linken der BRD stattgefunden hat.
Es ist nicht ohne Ironie, daß sich Antonio Gramsci, der 1937 unmittelbar nach der entlassung aus langjähriger faschistischer haft an deren Folgen gestorben ist, ausgerechnet auf der äußersxt rechten Seite des politischen spektrums einer gewissen Beliebtheit erfreut. Dabei übrigens nicht so sehr im sinne einer "Feindbeobachtung", sondern vor allem aus einem positiven strategischen Interesse motiviert, im Sinne einer eigenständigen Strategieentwicklung mit dem Ziel einer ideologischen Penetration der Gesellschaft, die eine "Kulturrevolution von rechts" (1*) einleiten soll. Ich spreche in erster Linie von der französischen "Nouvelle Droit" ("Neue Rechte"), die einen Kongreß mit dem Thema "Pour un Gramscisme de droite" ("Für einen Gramscismus der Rechten") abgehalten hat, Gramsci eine Nummer ihrer Zeitschrift "Elements" gewidmet hat und deren ganzer politischer Ansatz sich durchaus in den Rahmen einer Autonomie- und Hegemoniegewinnung einfügt, wie sie Gramsci zufolge in der Phase des "Stellungskrieges" sinnvoll ist. Inzwischen faßt diese Position auch in Teilen der deutschen Neuen Rechten Fuß. Ich möchte hier nur den Kreis um die Zeitschrift "Criticon" erwähnen und namentlich den Publizisten Armin Mohler.
Gramsci ist, wie man weiß, auch von ganz anderen politischen Kräften rezipiert und je nach Bedarf instrumentalisiert worden. Relativ volkstümlich wurde dabei das Werk von Peter Glotz, des ehemaligen Bundesgeschäftsführers der SPD, dem es immerhin zu verdanken ist, daß ein Begriff wie "Hegemonie" Eingang in die politische Alltagssprache gefunden hat - zumindest im gehobenen Journalismus und im studentisch-akademischen Milieu. Andere Begriffe sind nach zeitweiliger Konjunktur etwas in den Hintergrund getreten, z.B. der "historische Block" oder auch die Metaphern vom "Stellungs-" bzw. "Bewegungskrieg". Militärische Metaphern, die Analyse von Politik als quasi-militärisches Gefecht bzw. , etwas stilisierter, als Schachspiel, passen allerdings nicht in den grün-alternativen, pazifistischen Zeitgeist.
Eindeutig oder ausdeutbar?
Ist Gramsci eigentlich so beliebig ausdeutbar? Der historische Gramsci hatte bei allem unorthodoxen Denken kein Schwanken zwischen links und rechts. Sein politisches Engagement war eindeutig - zugunsten der Oktoberrevolution, zugunsten der damals noch jungen kommunistischen Bewegung. Da kann man wenig heruminterpretieren. Eine andere Frage ist allerdings, ob das theoretische Werk Gramscis so eindeutig ist.
Ich glaube, daß man zunächst einmal zugeben muß, daß im Werk Antonio Gramscis vieles enthalten ist, was auch für politische Positionen, mit denen Gramsci nichts zu tun hatte, durchaus ausnutzbar ist. Dies liegt zum großen Teil daran, daß vieles aus der Hinterlassenschaft sozusagen instrumentellen Charakter hat, sich mit Fragen des politischen und sozialen Kampfes, mit der Integration des historischen Blocks, dem Verhältnis von Basis und Überbau, der Hegemoniebildung, der Abasicherung der bestehenden Herrschaft etc. befassen. Dies ist natürlich im Prinzip neutral, auch wenn diese gedankliche Nähe heute von vielen Linken nur ungern akzeptiert wird.
Zum anderen kommen noch hinzu: erstens der fragmentarische Charakter des Werks von Gramsci; es gibt kein Gramsci-"Kapital" und auch kein Grasmsci-"Manifest". Zum zweiten müssen hier die mangelnde Systematik und auch die nicht immer exakt durchgehaltene Begrifflichkeit genannt werden. Über weite Strecken sind Gramscis Schriften eben keine stringente Analyse im wissenschaftlichen Sinne, sondern eher essayistisch-intuitive Gedanken zu Fragen von Politik und Kultur, in vielem eigentlich eher Anstöße zum Weiterdenken, ideologische Syndrome als eine Theorie, wenngleich sich schon ein geschlossenen Weltbild herausdestillieren läßt.
Lernen können also alle von Gramsci. Sein Entwurf war allerdings ohne Zweifel ein revolutionärer, ein versuch, unter den spezifischen Bedingungen Westeuropas einen Weg zur Errichtung eines historischen Blocks zu finden, der der Arbeiterklasse die Vorherrschaft, d.h. die Herrschaft und die Führungsfähigkeit sichert. Wenn es sich also nicht um eine Aufgabenstellung der Geschichtswissenschaft oder der Ideengeschichte handelt, so ist die Beschäftigung mit Antonio Gramsci heute nur sinnvoll, wenn man davon ausgeht, daß sein Werk aktuelle Bezüge hat.
So war die Gramsci-Diskussion seit Mitte der siebziger Jahre von einem expliziten politischen Interesse geleitet. Robert Steigerwald, der für die DKP die ideologischen Entwicklungen in der Gesellschaft daraufhin abklopft, ob sie der DKP nützen oder schaden, wußte es 1985 ganz genau: "Ich meine, es ging und geht in allen diesen Diskussionen letztlich nicht um Lukacs, Gramsci, Block, Korsch usw. Es ging um Leninismus! Unter Bedingungen, da es so aussah, als bewege sich ein beträchtlicher Teil junger und intellektueller Kräfte in West- und Mitteleuropa in Richtung auf den marxismus, wurde versucht, diese Bewegung durch Diskussionen über andere Kräfte - von denen man zu Recht oder zu Unrecht glaubte, sie dem Leninismus entgegenstellen zu könnn - abzustoppen bzw. fehlzuleiten." (2) Lassen wir die sehr pointierte Betonung des Gedankens einer bewußten Steuerung dieser Diskussionen - gewissermaßen als Mittel der Herrschenden, um Verwirrung zu stiften - einmal beiseite, so enthält der Kerngedanke doch etwas Richtiges.
Sowohl die Gramsci-Diskussion als auch die Theorie Gramscis implizieren eine doppelte Absage: nämlich zum einen an den Weg der Sozialdemokratie, von der man zumindest zu Lebzeiten Gramscis noch der Meinung sein konnte, sie bewege sich irgendwie auf einen Sozialismus zu anstatt zum linken Flügel der Bourgeoisie zu verkommen oder auch - wie heute - aufzusteigen. Also eine klare Betonung der revolutionären Perspektive. Zum anderen eine ebenso eindeutige Absage an das Leninsche Revolutionskonzept, das nach Gramsci vielleicht nicht ausgesprochen russisch, auf jeden Fall aber Westeuropa nicht angemessen ist; ein Fakt übrigens, der die weitgehende Kaltstellung Gramscis im PCI bewirkte, wenngleich er als Märtyrer, der überdies kaum in der Lage war, in die stalinistische Entwicklung des PCI einzugreifen, sakrosankt blieb.
Daß dieses Modell nicht angemessen ist, hat nach Gramsci den einfachen Grund, daß sich in Westeuropa Staat und bürgerliche Gesellschaft im Gleichgewicht befinden, es mithin nicht ausreicht, in einem einmaligen Sturmlauf das "Winterpalais" bzw. den Staat zu stürmen, daß vielmehr die bloße Übernahme der Regierungsgewalt und gegebenenfalls auch des Repressionsapparates (was - wie Chile zur Zeit Allendes gezeigt hat - nicht dasselbe ist) diese Gesellschaft nicht umstülpen würde, solange nicht auch die Führungsfähigkeit erlangt wird. Das Spezifikum des Ansatzes Gramscis liegt nur darin, daß die Übernahme der Regierungsgewalt und die Etablierung einer neuen Herrschaft relativer Endpunkt der Hegemoniegewinnung ist, nicht ihr Start.
'Parteien' und 'die Partei neuen Typs'
Kommen wir nun zur Partei, die die wesentliche Rolle für diese Hegemoniegewinnung spielt. Nun gibt es - das weiß man schon aus der DDR - Parteien und Parteien. Also: d i e Partei und dann noch andere Parteien. So ist es - zumindest im Prinzip - auch bei Gramsci.
Es gibt 'Parteien', d.h. also irgendwie real vorhandene Organisationen, groß oder klein, mit Programm, Wählerstimmen (jedenfalls insoweit moderne Parteiungen gemeint sind), Satzung etc. pp.
Dann gibt es 'relevante Partien', die auf kürzere oder längere Sicht fähig sind, soziale Gruppen an sich zu binden, sie sozusagen "auszudrücken". Sie sind keine willkürlichen, zufälligen Vereinigungen einiger Leute, die sich auf irgendwelche Programmpunkte geeinigt haben, sondern sind historisch notwendig, stehen historisch auf der Tagesordnung. Was oftmals heißt, daß sich diese Parteien durch soziale und politische Kämpfe bereits vor ihrer Entstehung ankündigen.
Last noch least gibt es 'die Partei', die höchste Organisationsform des revolutionären Subjekts, der kollektive Intellektuelle, der danach drängt, "selbst zum Staat zu werden" und diesen nach seinem Bilde umzuformen.
Es dürfte bereits hier deutlich werden, wie wenig sich Gramsci dafür eignet, als Kronzeuge für reformistische oder gar basisdemokratische Vorstellungen herangezogen zu werden. Daß dies nicht für alle seine Gedanken und Theorieelemente gilt, steht auf einem anderen Blatt.
Vielmehr ist Gramscis Theorieansatz durchaus in einem bestimmten Sinn elitär, wenngleich seine Zielvorstellung nicht übersehen werden darf: daß 'die Partei' die Macht im Staate nur ergibt, um sie tendenziell abzuschaffen, und daß 'die Partei" als embryonale Form des zukünftigen Staates diese die Herrschaft transzedierenden Elemente bereits im Zuge ihrer eigenen politischen Entwicklung und ihrer revolutionären Praxis antizipieren muß, eine Einheit von Führern und Geführten beständig herstellen muß. Der Realismus dieser Zielvorstellung, in der wohl die Utopie die Analyse verdängt, muß zwar bezweifelt werden, aber sie bleibt doch eine Grundvoraussetzung des Gramscischen (wie des Leninischen) Denkens.
Was also ist 'die Partei'? Gramsci zieht die Analogie zum "Principe" Machiavellis (*): "Der moderne Fürst, der Fürst-Mythos, kann keine wirkliche Person, kein konkretes Individuum sein, sondern nur ein organismus, ein komplexes Element der Gesellschaft, in dem ein anderkannter Kollektivwille sich zu konkretisieren beginnt und sich schon zum Teil in die Tat umgesetzt hat. Dieser Organismus ist von der geschichtlichen Entwicklung bereits gegeben. Es ist die politische partei: die erste Zelle, in der sich jene Ansätze des Kollektivwillens zusammenfinden, die dahin tendieren, universal und total zu werden." (4) Man sieht: Gramsci steht nicht auf dem Boden des Grundgesetzes. Denn was hier intendiert wird, ist die Errichtung einer neuen gesellschaftlichen Hegemonie. Darin impliziert enthalten ist die These, dieser Fürst, diese Partei sei eben nicht eine unter vielen, die sich an der Willensbildung beteilige, sondern eine Partei neuen Typs, eine Partei, die diese neue Hegemonie errichtet und letztlich den Kern der zukünftigen Gesellschaft selbst bildet.
Sinnvoll ist es vielleicht, sich diesen kollektiven Willen etwas näher anzuschauen. Er ist nämlich nicht einfach der Wille einer Gruppe oder auch der Mehrheit der Menschen, sondern ist definiert als "tätiges Bewußtsein der historischen Notwendigkeit, als Protagonist eines realen und tatsächlichen Dramas..." Wenn hier vom kollektiven Willen bzw. der Partei ("Fürst-Mythos") geredet wird, dann ist damit noch nicht unbedingt der Typus einer (modernen) revolutionären Partei gemeint.
Diese Position gilt noch für alle (relevanten) Parteien - "historische Notwendigkeit" ist ja noch nicht im marxistischen Sinne zu verstehen. Sie bedeutet zunächst einmal nur, daß eine gesellschaftliche Situation vorhanden ist, die eine bestimmte Partei X, sagen wir: als Vertreterin der Mittelklassen, historisch auf der Tagesordnung setzt. An der Fähigkeit, größere Gruppen von Menschen auf Dauer auf diese Parteien zu orientieren, entscheidet sich eigentlich der Begriff der Partei als Organisation von Relevanz gegenüber der Sekte, die ja durchaus offiziellen Parteistatus haben mag.
Die Partei ist also nicht aus sich selbst heraus erklärbar, aus ihren Zielen, Wünschen, ihrer Organisation der aus ihrer konkreten tagespolitischen Arbeit, sondern auch an ihrer Fähigkeit, die "Massen" (oder Teile davon) an sich zu binden: "Es hängt also von der Art und Weise, wie man die Geschichte einer Partei schreibt, die Auffassung ab, was eine Partei ist und sein muß. Der Sektierer wird sich über unbedeutende innere Vorgänge erregen, die für ihn eine esoterische Bedeutung haben und ihn mit mystischer Begeisterung erfüllen; der Historiker dagegen, auch wenn er jeder Sache die Bedeutung beimessen wird, die ihr im allgemeinen Rahmen zukommt, wird den Akzent vor allem auf die reale Wirksamkeit der Partei legen, auf ihre bestimmende positive und negative Kraft, mit der sie zur Schaffung eines Ereignisses beigetragen hat und mit der sie auch verhindert hat, daß sich andere Ereignisse vollzogen haben."(5)
Eine Partei hat sich also erst herausgebildet, wenn sie eine bestimmte und ständige Aufgabe hat, mithin sich einen Platz in der Gesellschaft als Ausdruck einer Klasse oder Schule, eines Klassenbündnisses, einer Bewegung oder was auch immer erobert hat. Hat sie dies, ist sie Ausdruck einer realen, anerkannten (nicht unbedingt beliebten) Kraft. Ob hegemoniefähig oder nicht, ist sie historisch notwendig, kann sie, wie es bei Gramsci heißt, mit normalen Mittel nicht mehr zerstört werden.
Gilt dies noch für alle Parteien, so kommt für die Partei, die Gramsci immer im Auge hat, etwas Spezifisches hinzu, was allerdings heute gänzlich aus der Mode ist: nämlich der Marxismus als Einheit von wissenschaftlicher Weltanschauung, konkreter Theorie (nicht nur im politischen Bereich) und politischer Praxis.
Die 'wissenschaftliche Weltanschauung'
An dieser Stelle tritt leicht ein Mißverständnis auf, das etwas mit der Geschichte des Marxismus, der kommunistischen Bewegung und des realsozialistischen Staatensystems zu tun hat, nämlich die Verkehrung des Marxismus von der wissenschaftlichen Weltanschauung in deren exaktes Gegenteil durch den Stalinismus. Hier wurde unter der Fahne der "wissenschaftlichen Weltanschauung" nicht der Versuch gemacht, die real existierende Welt adäquat zu erfassen, sondern die Realität wurde im besten Fall nach der inneren Stimmigkeit der Doktrin zurechtgemodelt, später hauptsächlich nach (vermeintlich) tagespolitischen Erfordernissen - worunter die sozialistischen Staaten - und nicht nur die Staaten - ja heute noch leiden. Der Name Lyssenko, die retuschierten und gefälschten Bilder und Dokumente, das Eliminieren von Namen, die ständige Neuschreibung der eigenen Geschichte sind die traurigen Marksteine auf diesem Weg. Eben das ist mit wissenschaftlicher Weltanschauung nicht gemeint.
Gramsci schreibt: "Die Position der Philosophie der Praxis steht der katholischen Philosophie antithetisch gegenüber. Die Position der Philosophie der Praxis hat nicht die Tendenz, die 'Einfachen' in ihrer primitiven Philosophie des Alltagsverstands zu belassen, sondern will sie vielmehr zu einer höheren Lebensauffassung führen. Wenn sie auf der Notwendigkeit des Kontaktes zwischen Intellektuellen und Einfachen besteht, dann nicht, um die wissenschaftliche Tätigkeit zu begrenzen und eine Einheit auf dem niedrigen Niveau der Massen beizubehalten, sondern gerade um einen geistig-moralischen Blockzu bilden, der, politisch gesehen, einen intellektuellen Fortschritt der Massen, und nicht nur kleiner Intellektuellengruppen, ermöglicht." Gramsci schreibt dies - ganz unbekümmert - aus einer Position der stärke, die fest - und zu Recht - davon ausgeht, daß der Marxismus, eben weil er ja im Kern nichts anderes ist als die adäquate (= richtige) Theorie der Gesellschaft, von (um das beliebte deutsche Wort zu verwenden) "Glasnost" nur profitieren kann. Denn selbst wenn sich zeigt, daß bestimmte Annahmen, die bislang zum Kernbestand der Parteitheorie gehörten, sich als falsch erweisen, ist diese Falsifikation ja nur im 'Sinne der Partei, da sie auf diese Weise ihre Theorie von falschen, nicht-marxistsichen Einsprengseln reinigt.
Also exakt das Gegenteil des Stalinismus, der ja trotz seines Ökonomismus Idealismus reinsten Wassers ist, während gerade Gramscis Marxismus trotz seiner hohen Wertschätzung des Ideologischen reiner Materialismus ist.
Die "historische Notwendigkeit" einer Partei ist aber nur ihre objektive Bedingung. Lebensfähig ist sie, einmal entstanden, aber nur, wenn und solange es Leute gibt, die zu ihrer Gründung und Fortführung die Initiative ergreifen. Hierbei unterscheidet Gramsci drei Elemente:
"1. Ein breites Element von gewöhnlichen, durchschnittlichen Menschen, deren Beteiligung in Disziplin und Treue und nicht in Schöpfertum und organisatorischen Fähigkeiten besteht. (... Sie sind dann eine Kraft, wenn es jemanden gibt, der sie zentralisiert, organisiert, diszipliniert. Fehlte diese zusammenhaltende Kraft jedoch, würden sie sich zersplittern und in wirkungslose Staubteilchen zerfallen. (...)
2. Das zusammenhaltende Hauptelement, das auf nationalem Gebiet zentralisierend wirkt, das ein Ganzes von Kräften wirksam und mächtig werden läßt - Kräfte, die allein gelassen nicht oder nur wenig mehr als nichts zählen würden. Dieses Element hat eine große zusammenhaltende, zentralisierende, disziplinierende Kraft und besitzt auch, vielleicht eben deshalb, starken Erfindungsgeist...
3. Ein mittleres Element, das das erste mit dem zweiten Element verbindet, es nicht nur in 'physische', sondern moralische und intellektuelle Berührung bringt. In Wirklichkeit existieren für jede Partei 'genau umrissene Verhältnisse' zwischen diesen drei Elementen, und man erreicht ein Höchstmaß an Wirkung, wenn diese 'genau umrissenen Verhältnisse' verwirklicht werden. (...) Wenn das zweite Element, dessen Entstehung allerdings an bestimmte objektive, materielle Bedingungen gebunden ist, nicht existiert, ist jede weitere Erörterung überflüssig. (...)
... das Kriterium für die Beurteilung des zweiten Elements wird zu suchen sein: 1. Darin, was es wirklich tut; 2, darin, was es für den Falls einer Zerstörung vorbereitet. Es ist schwer zu sagen, welche der beiden Aufgaben die wichtigere ist. Denn im Kampf muß man immer die Niederlage in Betracht ziehen, die Vorbereitung der eigenen Nachfolger ist ebenso wichtig wie der Einsatz für den Sieg." (6)
Soweit die Partei bei Antonio Gramsci. In der Realität gibt es sie nicht.
Anmerkungen:
(*) Dieser Text ist die redaktionell überarbeitete Fassung eines Vortrages vom 17.11.1987 in marburg. Die Zwischentitel sowie diejenigen Anmerkungen, die mit einem * versehen sind, wurden redaktionell eingefügt.
(1*) de Benoist, Alain, Kulturrevolution von rechts. Gramsci und die Nouvelle Droite, Krefeld 1975.
(2) Steigerwald, Robert, in: Marxistische Blätter, Heft 2/1985, S. 77.
(3*) Vgl. Machiavelli, Noccolò, Der Fürst (Il principe), Stuttgart 1972.
(4) Riechers, Christian (Hrsg.), Antonio Gramsci. Philosophie der Praxis, Frankfurt am Main 1967, S. 285.
(5) Gramsci, Antonio, Zu Politik, Geschichte und Kultur, Frankfurt am Main 1980, S. 264.
(6) Ebd., S. 265f.
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Autor: Charly Kneffel
Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Zweitveröffentlichung: www.kalaschnikow.info >
Erstveröffentlichung: Sonderausgabe DER GALLIER, Zeitung der GAL/SF, Mai 1986, S. 2ff.
Update: 04.09.1999
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