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im Roten Salon


Alle Farben des Regenbogens

9. Die Grünen - ein Zwischenergebnis

Teil 9

1.Wenngleich die weitere Entwicklung der alternativen Wahlbewegung , namentlich der Grünen, im einzelnen noch nicht absehbar ist, so kann doch von einigen Punkten ausgegangen werden:
- die Grünen sind nach ihrer Abkehr vom naiven "Fundamentalismus" als Partei vorerst stabil, weil sie in der Funktion des Mehrheitsbeschaffers eines Anti - CDU Lagers einstweilen durch keine andere Kraft zu ersetzen sind, zum anderen, weil ungeachtet aller politisch - ideologischen Gegensätze keine der einzelnen Strömungen allein lebensfähig ist
- innerhalb der Partei hat sich der ursprüngliche Dualismus von "Ökologismus" und "Radikaldemokratismus", der in der anfangs unterschiedlichen Bedeutung der Etiketten "grün", "bunt" und "alternativ" zum Ausdruck kam, verschoben zum Dualismus von "Realpolitik" UND "Fundamentalismus", d.h. quasi linksliberaler Reformpolitik und "Ökofundamentalismus" , der in der Substanz nichts anderes als konsequenter Reformismus ist, von einigen Randgruppen abgesehen
- Obwohl dieser Widerspruch wohl einstweilen noch in einer Partei ausgehalten werden kann, zeichnen sich doch in der Tendenz zwei Hauptlager ab, die sich in späteren Zeiten verselbstständigen könnten.

2.Die Frage, inwieweit die Grünen für die Gesamtheit der alternativen Wahlbewegung stehen, ist, trotz lokaler Unterschiede, entschieden. Zumindest auf Bundes- und Landesebene sind die alternativen Listen verschwunden oder haben sich als Landesverbände durchgesetzt wie in Berlin. Zwar bleibt die alternative Bewegung breiter, aber sie bringt keine lebensfähigen Konkurrenzlisten mehr hervor. Insofern sind die Grünen die Erben der alternativen Wahlbewegung.

3.Die Grünen haben sich dabei entlang den Bruchlinien Ökologie, Frieden, Frauen und Demokratie entwickelt. Eine gleichrangige Einbeziehung der Frage der Arbeitsplatzsicherung bzw. der sozialen Sicherheit, aber auch des eigentlich proletarischen Milieus ist ihnen bislang nicht gelungen, sodaß - trotz weitergehender Ausstrahlung - ihr eigentlicher sozialer Kern im Bündnis neuer aufsteigender Mittelschichten und marginalisierter Gruppen liegt.
Darin liegt eine strukturelle Schranke für ihre weitere Entwicklung.

4.Die weitere Entwicklung der Grünen ist - zumindest für eine Übergangsphase - von grundlegender Bedeutung für die weitere Entwicklung der BRD, zumal die Installierung der Regierung Kohl/Genscher und die damit verbundene Politik der vollendeten Tatsachen die außerparlamentarischen Bewegungen in eine tiefe Krise geführt hat.
Allerdings steht zu erwarten, daß vor allem im Bereich der Arbeitslosenproblematik, spätestens in der nächsten zyklischen Krise, neue außerparlamentarische Bewegungen und heftige soziale Kämpfe anstehen. Es wird sich dann zeigen, inwieweit die Grünen in der Lage sind, den durchaus realen Widerspruch zwischen Ökologie und Ökonomie, an den rechte Gewerkschaftsführer anzuknüpfen versuchen, durchzustehen und sich mit den neu entstehenden Bewegungen zu verbinden.

5.Für die Grünen bahnt sich damit, ebenso wie für die gesamt Gesellschaft, eine neue tiefgreifende Krise an,aus der sie nicht unverwandelt hervorgehen werden.
Der kurze Traum immerwährender Prosperität (366) ist vorbei.
Ebenso die Gesellschaft, die ihn geträumt hat.

  • Autor: © Charly Kneffel
    last Update: Do., 02.12.1999