ELEFANTENDÄMMERUNG
Das Ende der Ära Kohl
In den siebziger Jahren gab es einen Witz: wie kriegt man vier Elefanten in einen VW? Richtige Antwort: zwei vorne - zwei hinten.
Ganz so einfach wird es die CDU nicht haben, denn neben dem politisch bereits seit längerem erledigten ehemaligen Schatzmeister Kiep und dem unvermeidlichen Kollateralschaden Heiner Geißler, der immer dumm auffallen muß, wenn es für die CDU peinlich wird, steht jetzt ein ausgesprochen dicker alter Bulle zur Entsorgung an: Helmut Kohl. Machen wir uns nichts vor, die Sache ist gelaufen, die Ära Kohl jetzt, ein gutes Jahr nach seiner Wahlniederlage endgültig beendet. Die CDU weiß es und spielt bereits nur noch auf Schadenbegrenzung. Anders jedenfalls ist weder die Erklärung Helmut Kohls selbst als auch die Pressekonferenz mit Wolfgang Schäuble und Angela Merkel zu interpretieren.
Schadensbegrenzung natürlich vor allem für die CDU als Partei. Sie hatte die Wahlniederlage vom September 1998 gut verdaut. Dazu hatte sie wenig anderes tun müssen, als einfach nur da zu sein und einen guten Eindruck zu machen , d.h. Fehler zu vermeiden. Den Rest besorgte die SPD von allein. So konnte sich die CDU seit Machtantritt der Regierung Schröder problemlos regenerieren und auch im Bundesrat wieder die Macht werden, gegen die letztlich nichts geht. Im Grunde eine verdeckte große Koalition mit der CDU auf der Reservebank. Davon profitierte auch Helmut Kohl, der angesichts des rot-grünen Tohuwabohus plötzlich wieder als ein weiser, gütiger Landesvater erschien, der sich um Deutschland verdient gemacht hatte, wenn er auch am Schluß ein wenig verbraucht war. So hätte er sich in Ruhe langsam zurückziehen die Rolle des elder stateman´s übernehmen können. Irgendwann wären dann noch seine Memoiren erschienen und die Generation nach Schäuble hätte sich als "Kohls Enkel" bezeichnet.
Daraus wird nun nichts und die Absetzbewegung ist bereits in vollem Gange, wobei der CDU zweifellos zugute kommt, daß ihr großer Antipode trotz der populären Holzmann - Aktion auch einige Schwierigkeiten hat, wofür nicht nur der Name Glogowski steht. Auch die Grünen geben sich schließlich alle Mühe, ihre eigene Restlaufzeit zumindest unter den der Atomkraftwerke zu bringen. Nur die Altliberalen dürfen einstweilen nicht mitspielen. Wer erinnert sich noch an Bangemann?
Schadensbegrenzung aber auch für Kohl selbst, wenn auch nicht nur aus uneigennützigen Motiven. Schließlich ist, von der kleinen Fronde aus den Endachtzigern (Geißler, Späth, Biedenkopf, Süssmuth) einmal abgesehen, die gesamte Partei doch im Schatten des Alten groß (oder klein) geworden.
Kohl bekommt den Jagdschein, der einem alten Herrn wohl ansteht: er stammte halt aus einer anderen Zeit, ein Dinosaurier, der letzte seiner Art. Diese Strategie dürfte mittelfristig aufgehen , eine ernsthafte Antikorruptionskampagne liegt im Interesse keiner etablierten Partei. (und auch die Linke sollte vorsichtig sein, meist dienen solche Kampagnen nur denen, die im Rahmen der etablierten Ordnung einmal richtig Remedour machen wollen.)
Am Ende war selbst Richard Nixon wieder ein angesehener Mann, einer von der Art, von der man in Bayern sagt: aber Hund sein´s scho.
Was auf der Strecke bleibt, sind die eigentlichen politischen Probleme: wer finanziert die Parteien und zu welchem Zweck? Wie wurden (und werden) bestimmte Entscheidungen getroffen (nicht nur im Waffengeschäft)? Es steht zu befürchten , daß die Spendenaffäre am Ende doch nur dazu dient, die Diskussion der harten politischen Fragen zu verschleiern und alles zu Fragen der Glaubwürdigkeit, des Stils, der Moral zu machen. Freilich, dem Ansehen der Politik dient das alles nicht. Das wäre an sich nicht schlimm, wenn es nur in die richtige Richtung ginge.
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Autor: Jens Schneider
Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin, Mi., 01.12.1999
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