Georg Fülberth: Die Alternative
Leserbrief von Georg Fülberth an die UZ vom 14.01.2000
Die DKP hat zwei Möglichkeiten.
Erstens: Sie kann sich als eine eine revolutionäre und antikapitalistische Partei in einer Zeit ohne aktuelle revolutionäre Perspektive und in einer Periode des kraftstrotzendenen Kapitalismus profilieren. Ihre Mitgliederzahl wird dabei wahrscheinlich auf wenige Hundert sinken: ganz Alte und ganz Junge, dazwischen kaum etwas.
Beide Generationen - die Großeltern und die Enkel - werden einander nicht allzuviel zu sagen haben. Gemeinsam ist ihnen vielleicht der positive Bezug zum vergangenen realen Sozialismus. Aber dahinter steckt wahrscheinlich Verschiedenes. Die Alten sagen, das sei eben irgendwie ihr Leben gewesen. Für die Jungen ist das Bekenntnis eher eine Art Symbol für ihren Protest gegen die Bundesrepublik, so wie sie ist. Auf welche Weise man daraus aktuelle Politik macht, wissen beide nicht.
Zu den Problemen dieser Kleingruppe wird gehören, daß sie nur eine unter mehreren ist. Sie würde konkurrieren müssen, gegenwärtig zum Beispiel gegen den trotzkistischen "Linksruck".
Die zweite Möglichkeit ist die Selbstauflösung. Auch hier wird am Ende die revolutionäre Hundert- oder Tausendschaft stehen. Diejenigen, die eine solche Partei gründen wollen, werden sich nicht davon abhalten lassen.
Gegenwärtig geht die DKP einen Dritten Weg. Von der PDS unterscheidet sie sich durch den positiven Blick auf die künftige Revolution und auf den vergangenen Realen Sozialismus. Für die Gegenwart fällt dabei allerdings nicht genug ab. Deshalb ist die DKP bei Wahlkämpfen im Westen die gleichermaßen ungebetene wie kommunal zuweilen unentbehrliche treue Parteisoldatin der PDS.
Es besteht die Gefahr, daß sie auf ihrem dritten Weg zerbröselt. Die ganz Alten werden nicht ewig bleiben, die Mittleren sind häufig lau, und die jungen Neueingetretenen sind revolutionär, reiben sich aber an denjenigen Genossinnen und Genossen, die ihnen dabei - ihrer Meinung nach - im Weg sind. Sie werden zuletzt übrig bleiben, womit wir ein weiteres Mal bei der revolutionären Propaganda-Gesellschaft landen.
Vielleicht ist das, was sich hier vortrage, nicht zwingend, sondern es fehlt mir nur an Phantasie. Macht nichts. Die UZ hat ja kluge Leserinnen und Leser, die mir bestimmt widersprechen und sagen können, welche Lösung es sonst noch gibt.
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Autor: © Georg Fülberth
Update: Marburg, Berlin, Fr., 14.01.2000
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