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im Roten Salon


Imagine ...

Zum 20. Todestag des Beatle´s John Lennon

Na also: es geht doch: ausgerechnet zum 20. Jahrestag der Ermordung von John Lennon macht auch das sozialistische Kuba seinen Frieden mit den Beatles. Fidel Castro höchstpersönlich enthüllte in Havanna eine Bronzestatue des Beatle´s und betonte, er und Lennon hätten im Grunde dieselben Ideen gehabt. So wurde John Lennon posthum allen Ernstes doch noch zum „Helden der Revolution“. Das hätte man einfacher und früher haben können; doch in den 60er und 70er Jahren galten die Beatles als „westlich dekadent“. Völlig unverständlich. Zumindest Fidel Castro hätte mit mächtigem Rauschebart ohne weiteres bei THE BAND mitspielen können und auch Che Guevara wäre bei CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL kaum aufgefallen.

„Mr. Lennon?“ war wohl die letzte und auch die verhängnisvollste Frage, die John Lennon noch bei klarem Bewusstsein in seinem Leben vernommen hat. Sie kam vom Marc David Chapman, einem offensichtlich verwirrten „Fan“, der sich darüber beklagte, von Lennon irregeführt worden zu sein. „Imagine, there´s no posession....“ schien ihm im Widerspruch zu stehen, zum Privatvermögen Lennon´s. John Lennon, der dem Mörder wenige Stunden zuvor ein Autogramm auf das Cover der LP „Double Fantasy“ gegeben hatte, starb wenige Stunden später im Hospital.

Zum Zeitpunkt, als John Lennon starb, war er sowohl eine Kultfigur als auch eine vergessene Größe. Nach dem Ende der Beatles 1970 hatte er noch einige Jahre eine ansehnliche Solokarriere gestartet, die ihm mit „Imagine, Power to the People, Instant Karma“ u.a auch einige Single-Erfolge bescherte, aber seit „Whatever get´s you thru´the night“ hatte er sich weitgehend zurück gezogen. Marc David Chapman machte ihn unsterblich. Eine Art passiver Herostrat.

John Lennon war die Inkarnation der Ideologie einer ganzen Generation, weit mehr als die politischen Granden der 68er. Als The Beatles Ende 1962 mit Love me do aus dem Schatten der unzähligen Pop/Rockgruppen traten, die es bis dahin in der Nachfolge der niedergehenden Rock´n Roll- Bewegung traten, hatten sie - außer der Zufallserfindung der „Beatle-Frisuren“ durch eine Hamburger Freundin der zeitweiligen Top-Band des „Star- Clubs“ - nicht viel besonderes anzubieten. Love me do, Please, please me, From me to you, 8 days a week, I feel fine: das war gefälliger Sound, den man werbewirksam mit dem Etikett Beat-Musik belegte. Aber die Altvorderen hatten schon recht: irgendwie klang alles recht ähnlich. Was die Beatles unsterblich machte, sie trotz aller Anfeindungen Weltstars werden ließ und jede Menge anderer Bands in ihr Gefolge zog (Rolling Stones, Byrds, Animals, Kinks..) war ihre Fähigkeit, den Geist der Zeit zu bündeln und auch durch die unterschiedlichen Charaktere ihrer Bandmitglieder (was sich natürlich herrlich vermarkten ließ) alle auf ihre Seite zu ziehen: die einen früher, die anderen später. John Lennon, der Intellektuelle mit dem politischen Anspruch, Paul Mc Cartney, der Popstar mit den eingängigen Melodien, George Harrison, das tiefe Wasser mit dem Hang zur Esoterik, der den Maharishi Mahesh Yogi zu den Beatles brachte und der ewige Proll Ringo Starr (eigentlich Richard Starkey) , der den Dödel gab und dem Alkohol (und nicht so sehr den Drogen) zusprach, es war die bandgewordene 68er-Generation. Trotz aller Kritik, die von hochpolitisierten Helden der Weltrevolution an den Millionären geübt wurde, wenn John Lennon sang „Give peace a chance“ war alle Kritik gegenstandslos. Wie zuvor bei „All you need is love“. Die Beatles brauchten keine Argumente - sie waren das Argument.

Nebenbei haben sie herrliche Musik gemacht. Spätestens ab „Rubber Soul“. Aber darüber kann man nicht schreiben - man kann es nur hören.

Danke John Lennon.

  • Autor: Charly Kneffel
    Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
    Update: Berlin, Fr., 15.12.2000