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im Roten Salon


Gut geheuchelt ist halb abgelenkt

Verkehrsminister Klimmt vor dem Aus

Tja: erwischt, kann man da nur sagen. Es scheint, als ginge die zweite Karriere des Reinhard Klimmt, der gerade mal ein Jahr im Amt ist als Verkehrsminister, zu Ende. Zwar steht noch die ganze SPD zu ihm und auch Rezzo Schlauch hat schon sein gewichtiges Wort für ihn eingelegt, aber das sind Pflichtübungen. Wer Gespür hat für Zwischentöne, merkt das auch schon. Die Absetzbewegungen sind in vollem Gange, aber keiner will der erste sein, der Klimmt die Wahrheit sagt.

Klimmt will einen Strafbefehl des Amtsgerichtes Trier akzeptieren: 90 Tagesätze a 300,-- Mark. Man ist ihm offensichtlich entgegen gekommen, denn ab 91 Tagesätzen wandert so etwas in das polizeiliche Führungszeugnis. Aber egal: vorbestraft ist vorbestraft und genau das ist der Fall, wenn Klimmt den Strafbefehl rechtkräftig werden läßt. Der CDU kann´s egal sein; was er macht, ist falsch, legt er Rechtsmittel ein, hat er einen unter Umständen langen Prozeß am Hals, nimmt er den Strafbefehl an, hat sie ihn eh am Arsch. Und wieder verliert die SPD einen Minister, noch dazu einen geläuterten Lafontainisten. Da kommt Freude auf bei den Schwarzen.

Der Anlaß ist vergleichsweise banal: In Trier steht ein ehemaliger CARITAS-Manager namens Doerfert wegen "Untreue" vor Gericht. Er hatte mit der Führungscrew des 1 FC Saarbrücken einen fingierten Beratervertrag ausgehandelt, der es ermöglichte, dem maroden Fußballklub roundabout 600 000 Mark zuzuschustern. Klimmt war damals Präsident und hat den Vertrag , der der "Pflege der politischen Landschaft" dienen sollte - konkret ging es darum, daß die CARITAS einige angedachte Bettenkürzungen in ihren Krankenhäusern verhindern wollte (wie der Lateiner sagt: manus manum lavat!) - unterzeichnet. Angeblich hat er gar nicht so genau gewußt, was es damit auf sich hatte. Der übliche Quatsch, den man eben so sagt, wenn man aufgeflogen ist. Man kann das getrost vergessen; sollte er wirklich nichts gewußt haben, dann hat er aber mit Eifer weggeguckt. Alles in allem, ein Fall von leichter (?) Korruption, aber so alltäglich wie das tägliche Schnäpschen. Daß ein Politiker eine "Vorbildfunktion" habe, ist witzig. Gewiß, rein theoretisch sollten die Repräsentanten des öffentlichen Lebens schon sauber sein, aber aus dem Munde der CDU wirkt dies nach Kohl, Kanther, Kiep wie glatter Hohn. Von dem "brutalen Aufklärer" Koch ganz zu schweigen, dem CSUler Wiesheu und dem zuzeiten reichlich unterzuckerten Innenminister Zimmermann. Franz Josef Strauss hätte sich kringelig gelacht über diese "Affäre". Man könnte sich natürlich aufregen über dieses leicht durchschaubare Ablenkungsmanöver, die verlogene Solidarität und die geheuchelte Empörung. In diesem Land wird eben alles zum fake. Aber spaßig wäre es schon, legte man die Kriterien, die jetzt in der öffentlichen Diskussion so maulgewaltig vorgetragen werden, auf alle an. Die Regierungsbank wäre im Nu ebenso leer wie der Plenarsaal. Mit gefällt das. Und genauso die Landesparlamente und und und...

Eigentlich lohnt es nicht, darüber zu lamentieren: Klimmt ist ein, persönlich sicherlich ganz netter, politisch völlig belangloser Fachminister. Ob er geht, bleibt oder wiederkommt - das bedeutet so viel wie der berühmt Sack Reis, der in China immer mal wieder umfällt. Aber vielleicht hat das ja auch alles seinen Sinn. Das System möchte wohl, daß wir, bevor es abtritt, noch einmal richtig was zu lachen haben. In diesem Sinne.

  • Autor: Charly Kneffel
    Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
    Update: Berlin, Di., 14.11.2000