Wenn Yuppies streiken ...
Über einen Fraktionskampf in der Bourgeosie
Wenn Yuppies streiken, freut sich der Proll, oder auch nicht. Nein, mit einem Streik hat das, was die Pilotenvereinigung Cockpit da veranstaltet, nun überhaupt nichts zu tun. Natürlich handelt es sich um eine Arbeitsniederlegung, das ist aber auch alles, was hier an Streik erinnert.
Die Lufthansa-Piloten machen natürlich das, was viele machen würden, befänden sie sich in einer ähnlich privilegierten Position wie diese Gruppe. Sie verkaufen sich so teuer wie möglich. Das ist, man mag es moralisch bewerten, wie man will, die Wahrnehmung eines legitimen Interesses. Und sie haben drei Trümpfe in der Hand: die hohen Gehälter konkurrierender Luftlinien (namentlich in den USA, aber beileibe nicht nur dort), ihre Monopolstellung, die ihnen aus ihrer Stellung als Spezialisten erwächst, und die medienwirksame Betroffenheit der Passagiere, die oft stundenlang auf den Flughäfen festsitzen.
Sie sind eben nicht schnell zu ersetzen, weder durch Abwerbung von Piloten anderer Linien noch durch die Ausbildung neuer Kräfte. Das wissen sie wohl. So ist das Ergebnis programmiert.
Dabei geht es ihnen wirklich nicht schlecht. Schon kurz nach der Ausbildung sind Gehälter jenseits der 100 000 Mark-Grenze üblich (bei Leuten Anfang 20!), erfahrene Kapitäne liegen im Bereich 300 000 - 400 000 Mark. Da muß eine alte Frau lange für stricken. Hinzu kommen jede Menge Privilegien, Freiflüge usw.
Solidarität mit Streikenden? Ja, wenn es sich um Arbeiter, Angestellte oder (Schein) selbstständige handelt. Das, was die Piloten machen, ist der Cliquenkampf einer privilegierten Kaste, ungefähr so, wie wenn Bundesliga-Profis nicht zum Spiel auflaufen (manchmal hat man ja den Eindruck, es ist so). Hier ist keine Solidarität geboten.
Natürlich schreibe ich diesen Kommentar nur, weil ich selber nicht so viel kriege.
Neidgesellschaft? Ja, bitte!
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Autor: Charly Kneffel
Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin, Sa., 05.05.2001
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