Eintracht im Denver-Clan
Zum Bundesparteitag der FDP
So sind sie halt, die Liberalen. Mag es bei ihnen auch zugehen wie in einer Mischung aus Denver-Clan und BIG BROTHER, der Schein muß gewahrt bleiben. Dabei hatten einige der Herren und Damen schon manches Mal Mühe, ihre Züge vor der Entgleisung zu bewahren.
Gerhardt zum Beispiel, aber auch Döring, Westerwelle zumindest immer dann, wenn er die neue Generalsekretärin Pieper reden hörte. Nun liegen die Ergebnisse also vor: Personelle vor allem, aber das ist ja sowieso das Entscheidende bei der FDP- Programmatisch ist ja eh alles klar: Geld scheffeln mit jedem Mist, freie Bahn denen, die die stärksten Ellenbogen haben, vor allem der großen und mittelständischen Wirtschaft sowie den Freiberuflern. Dabei noch einen Rest des linksliberalen Bildungsbürgertums einbinden. Und frech wie Oskar.
Also: Westerwelle ist der neue Chef. Er löst den biederen Gerhardt ab, der als Nachfolger des ebenso belanglosen Kinkel die Übergangsperiode von Genscher zu Westerwelle managte. Er hat sein Team beieinander: Cornelia Pieper, deren Halbwertzeit als Generalsekretärin wegen der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt aber begrenzt sein dürfte. Sie ist wohl der letzte Versuch, der FDP in den neuen Ländern eine Perspektive zu verschaffen, was sie braucht, will sie ihr "Projekt 18" wirklich umsetzen.
Gerhardt´s Zeit ist abgelaufen. Er selbst ist wohl der Einzige, der sich darüber im Unklaren ist. Noch kann er als Fraktionsvorsitzender im Bundestag bleiben, aber nur, weil man ihn nicht so direkt abservieren wollte. Das hätte einen schlechten Eindruck gemacht, und alles , was die FDP politisch will, ist einen guten Eindruck zu machen. Döring, der, wie er dem SPIEGEL sagte, "Westerwelles Bulldogge" war, ist abgestraft worden. Gerade noch so eben als dritter Stellvertreter in´s Präsidium gerutscht. Und dann die Garde, auf die wir uns einstellen müssen: Möllemann, Brüderle, Rexrodt (als Schatzmeister), Kubicki. Und die wollen in´s Kabinett!
Warum hier so viel über die Personalien steht? Nun gut, zum Sachlichen genügt vielleicht ein Hinweis: Die notorische klamme FDP will nun über ihren Schatzmeister Rexrodt die Wirtschaft anzapfen. Sie hat gute Kontakte zu Hans-Olaf Henkel, das ist der , der gesagt hat "Ich kann arme Leute nicht ausstehen." Der wiederum hat Kontakte zu AOL und AOL zahlte schon 200 000 DM für einen Informationsstand auf dem Parteitag. Die AOL wird schon wissen, warum sie das tut (außerdem läßt es sich eh steuerlich absetzen).
Sollten wir dümmer sein als die AOL?
Manchmal sind Versprecher doch aufklärerischer als alles Andere. Wie sagte Frau Pieper: "Grün raus - Rot rein."
Sie hat ja so recht, auch wenn sie es nicht so meinte.
Jetzt wollen sie aus der Rolle der Funktionspartei heraus und wirklich zu den Massen vorstoßen. Das nennt sich Projekt 18. So großmäulig das auch sein mag, das Schlimme ist, so ganz chancenlos ist die Idee nicht. Die klassischen Milieus haben sich weitgehend aufgelöst und die Bindungskraft der großen Parteien, die längst eher Koalitionen von Interessengruppen sind, läßt nach. Was bleibt ist eine Gesellschaft von Individuen. Jeder für sich. Das ist genau die Gruppe, die sich in Möllemann und Westerwelle vertreten sieht.
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Autor: Charly Kneffel
Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin, So., 06.05.2001
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