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im Roten Salon


Israel eskaliert Nahost-Konflikt

Zur Lage im Nahen Osten

Wenn es nicht so zynisch klingen würde, müßte man annehmen, die israelische Regierung unter Ministerpräsident Sharon steuere bewußt auf einen Krieg zu. Selbst wenn man konzediert, daß die Attentate wie z.B. in Netanja eine erhebliche Qualität haben, so ist doch der "Gegenschlag" mit F-16 Kriegsflugzeugen weit jenseits jeder Verhältnismäßigkeit.

Die israelische Regierung benimmt sich genau so, wie man es von Sharon vermuten konnte. Sie gibt kein Pardon und läßt selbst den gutwilligsten arabischen Regierungen nicht den geringsten Spielraum für Verhandlungen, selbst wenn diese, allein schon wegen des Kräfteverhältnisses auf militärischem Gebiet, dem drohenden Krieg ausweichen wollen. Täglich wächst jedoch der Druck der arabischen Massen auf ihre Regierungen und die Zustimmung zur Intifada neueren Typs ist erdrückend.

Selbst die USA gehen vorsichtig auf Distanz, obwohl Präsident Bush noch im März im Gespräch mit Bundeskanzler Schröder betonte, die USA würden Israel nie fallen lassen. Freilich tönte so auch einst Gorbatschow in Bezug auf die DDR. Jetzt hat die US-Regierung Israel aufgefordert, keine "Waffen aus US-Produktion" gegen die Palästinenser einzusetzen. Das ist, wenn es denn ernst gemeint ist, nicht so harmlos wie es klingt, denn Israel ist nahezu völlig auf die US-Hilfe angewiesen und da auch die Europäer zunehmend irritiert sind wird die militärische und politische Isolation Israels total.

Wie es scheint, ist dies alles der Regierung Sharon, in der Außenminister Peres nicht mehr ist als ein Feigenblatt, ziemlich wurscht. Sie setzt darauf, daß im Falle eines Falles weder die USA noch die europäischen "Mächte" (und schon gar Deutschland) Israel fallen lassen können. So wird auch die Siedlungspolitik unvermindert fortgesetzt. Die israelische Öffentlichkeit rechnet mit einem Krieg, in den dann auch die "gemäßigten" arabischen Staaten mit einbezogen werden würden. Und Sharon setzt auf Sieg und eine weitere Schwächung des arabischen Lagers, vielleicht auch auf andere Grenzen.

Sharons Politik ist ein Spiel mit dem Feuer. Er setzt in abenteuerlicher Weise das Leben zahlreicher Menschen auf´s Spiel und vielleicht auch die Existenz Israels. Ob er sich dessen wirklich bewußt ist? Bestimmt.

  • Autor: Charly Kneffel
    Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
    Update: Berlin, Mo., 21.05.2001