Das Gelbe Zeichen
Den Taliban ist der Westen egal
Man mag über den westlichen Kulturimperialismus denken wie man will, aber was die Taliban in Afghanistan treiben, ist unerträglich. Gewiß könnte man die Angelegenheit relativieren unter Hinweis auf die schrecklichen Menschenrechtsverletzungen, die es täglich überall in der Welt gibt. Das alles ist aber keine Rechtfertigung für das, was in Afghanistan vor sich geht.
Die neueste Idee der "Religions- und Sittenpolizei" des Regimes ist die Kennzeichnung der kleinen (kaum mehr als 5 000 Köpfe starken) hinduistischen Minderheit im Land. Sie sollen ein gelbes Kennzeichen auf der Brust oder ggfs. eine gelbe Armbinde tragen. So seien sie als "geschützte Minderheit" erkenntlich und liefen nicht Gefahr, als "rebellische Moslems" auf offener Straße verprügelt oder schikaniert zu werden, was in Afghanistan übliche Praxis ist. Dort gilt die "Scharia" in strengster Auslegung für alle Menschen (das Wort "Bürger" ist wohl fehl am Platz).
So gesehen ist die Kennzeichnung wohl gar eine "Schutzmaßnahme" für die Hindus. Zynischer geht´s nimmer. Christen und Juden brauchen keine Kennzeichen zu tragen. Es gäbe sie einfach nicht in Afghanistan, meinen die Taliban und die Sikhs, von denen es einige Tausend gibt, seien ohnehin am Turban erkennbar.
Trotzdem entbehrt die Empörung über die Taliban nicht der Heuchelei, denn die "Koranschüler" sind nicht aus dem Nichts entstanden. Sie wurden - gerade von den Westmächten, allen voran den USA - gefördert, erst, als es galt die Sowjetunion und das von ihr ausgehaltene progressive Regime in Kabul zu stürzen, dann um Stabilität in Afghanistan durchzusetzen. Die hat man nun und das ganze Gefasel um die Menschenrechte hat sich als das entpuppt, was es immer war, eine propagandistische Masche. So wurde einstmals auch das Terrorregime der Khmer Rouge in Kambodsche am Leben erhalten, nur um Vietnam in die Enge zu treiben.
Die Taliban haben sich längst verselbstständigt und alle Brücken hinter sich abgebrochen. Sie verfolgen die reaktionäre Utopie des reinen Islam. Die Menschen haben darunter zu leiden, wie immer und eine ganze Generation junger Afghanen versinkt in kultureller Barbarei. Da gibt es nichts zu beschönigen. Was sind die Taliban? Ein Furz des Imperialismus. Ohne ihn und seine taktisch-strategischen Spielchen wären sie nichts.
Was nun? Das einzige, was bleibt, ist dieses Regime fallenzulassen und zu isolieren. Den Rest muß das afghanische Volks besorgen.
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Autor: Charly Kneffel
Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin, Di., 22.05.2001
überarbeitet am: Do., 24.05.2001
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