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Tod eines Schlitzohrs
Schadenfreude ist doch die reinste Freude. Im Ernst: Ich habe Konrad Kujau geliebt. Zwar ist sein größter Coup mittlerweile auch schon wieder 17 Jahre her, aber die Erinnerung daran ist doch immer wieder schön. Etwa 9,34 Millionen DM hat der STERN seinerzeit für die "Hitler-Tagebücher" berappt, die Kujau, mit Hilfe seines Kumperls Gerd Heidemann, sebst verfaßt und dem STERN untergeschoben hatte. Dabei war das Ganze nicht einmal besonders raffiniert gemacht. Die Tagebücher trugen in stilisierter Form Großbuchstaben auf der Titelseite, die - nicht nur der STERN - für A.H. hielt (in Wirklichkeit waren es ein F. und ein H.). "Fritze Hitler" bemerkte dazu ein Schauspieler in der Verfilmung "Schtonk" mit Götz George. Die Tagebücher selbst enthielten allerlei Banalitäten über die Wetterlage auf dem Obersalzberg und die Stimmung bei Goebbels und Göring. Auch einige Klischees wurden bedient. "Wo bleiben Görings Wunderflugzeuge?" ließ Kujau Hitler am Jahresbeginn 1945 räsonnieren. Sein großes "Idol" aber war Rudolf Heß, dessen Mythos von Kujau weiterhin in Richtung "Friedensbringer" stilisiert wurde. Eigentlich war alles dilletantisch. Die Tinte war erst in der Nachkriegszeit entwickelt worden, die Buchstaben waren falsch, der Inhalt auf dem Niveau eines leidlich gebildeten Zeitungslesers. Doch "Jetzt muß die Geschichte des 3. Reiches neu geschriben werden", meinte der STERN, insbesondere in Gestalt seines damaligen Chefredakteurs Koch, der seither über viel freie Zeit verfügte. |