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im Roten Salon


Wie im alten Rom

Boris Jelzin outet Monica Lewinski als Provokateurin

Nein, das wirkt schon nicht mehr wie bei Hempels unter´m Sofa. Hier kann man nur noch Assoziationen an das alte Rom zu Zeiten Caligulas, Eleagabals oder Commodus haben. Boris Jelzin, ehemaliger Präsident Rußlands, hat seine Memoiren vorgelegt und der Zeitung "Welt am Sonntag" ein Interview gegeben. Das ist streckenweise ganz lustig zu lesen, wenn auch die Sebstbeweihräucherung dieses Herrn etwas nervig ist.

Seit Ende 1996 will Jelzin gewußt haben, daß politische Gegner des US-Präsidenten Clinton, vor allem aus der Republikanischen Partei, versucht haben, eine Provokateurin in die unmittelbare Nähe des Präsidenten zu plazieren, um Clinton, dessen Neigung zu "jungen und hübschen" Frauen bekannt war, eine Falle zu stellen und wenn möglich vorzeitig aus dem Amt zu entfernen. Er habe seinen Amtskollegen aber nicht gewarnt, da ihm die Nachrichten "nicht sicher genug" schienenund er es habe vermeiden wollen, den Präsidenten unnötig zu verletzen. Auch habe er darauf vertraut, Clinton werde sich schon richtig verhalten und die Krise allein meistern.

Nun ist man von dem alten Suffkopp Jelzin schon einiges gewöhnt. Deshalb sollte man diese Nachrichten schon mit Skepsis aufnehmen. Aber nach allem, was man so von Zeit zu Zeit aus dem Innenleben der amerikanischen Politik (man denke an JFK oder Richard Nixon) hört, klingt das doch alles recht plausibel. Figuren wie Paula Jones und Monica Lewinski stinken so sehr nach Geheimdienstprovokation, daß es schon fast wieder zu auffällig ist. Bemerkenswert auch das unerbittliche Nachsetzen der Anwältin (ursprünglich eine "Freundin" der Dame Jones) und des Sonderanklägers.

Viel besser macht das das Verhalten Clintons natürlich nicht. Schließlich ist er keinesfalls verpflichtet, nach jedem Hintern zu greifen, der ihm einladend entgegengestreckt wird. Aber wer auch immer daran gedreht hat, kannte seinen Bill genau. Ein Womanizer ist ein Womanizer ist ein Womanizer. Der Gedanke daran, was für Figuren an zentralen Stellen der Weltpolitik herum hampeln, ist deprimierend. Fast muß man sich freuen, daß das meiste nicht heraus kommt. Sollten sich Jelzins Behauptungen bestätigen, ist der amerikanische Wahlkampf gelaufen. Erstens ist keiner der repunlikanischen Politiker mehr glaubwürdig, zweitens wird Clinton vom Täter zum Opfer und seine starke Empfänglichkeit für weibliche Reize haben die meisten Wähler eh immer insgeheim bewundert, wenn man es auch nicht so offen sagt.

So wird Gore zum glücklichen Dritten der Lewinski-Affäre. War das vielleicht die Absicht?

Jetzt interessiert mich nur noch, wer die Zigarren geliefert hat.
Wahrscheinlich Fidel Castro.

  • Autor: Charly Kneffel
    Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
    Update: Berlin, Mi., 11.10.2000