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Der alltägliche KapitalismusWie der Normalfall zum "Event" wird.
Es gibt schon seltsame Zufälle in diesem unserem Lande. Da kriegen wir, unmittelbar bevor bedeutende soziale Einschnitte in´s Haus stehen und zu einem Zeitpunkt, da die Verbündeten der Berliner Republik endlich die Rendite für ihre - zum Teil nur unter Schmerzen gegebene - Zustimmung zur deutschen Einheit einfordern, eine strategische "Reformregierung", deren einzige historische Mission darin besteht, Deutschland wieder zu einem wertvollen Glied der imperialistischen Gemeinschaft zu machen, und schon muß sie in einer Serie von verlorenen Wahlen den Preis bezahlen. Aber immer , wenn man denkt, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her. In diesem Fall eine ausgewachsene Spendenaffäre: das "System Kohl". Da hat der dicke Helmut, dessen welthistorische Verdienste natürlich unbestreitbar sind, also "Anderkonten" unterhalten. Er hat das Parteispendengesetz umgangen (durch Stückelung), womöglich Steuern hinterziehen lassen, die Rechenschaftspflicht umgangen bzw. falsche Bericht vorgelegt (vorlegen lassen), sich persönliche Seilschaften (Loyalitäten) unterhalten und da und dort Gelder entgegen nehmen lassen, bei denen man sich schon fragt, ob sie einzig und allein der "staatsbürgerlichen Bildung" zu Gute kamen. Walter Leisler Kiep ist mit im Spiel und eine Reihe niederer Chargen. Andere sollen davon gewußt haben. Wieder andere machen einen auf Hase. Alles sehr aufregend. Schon vorher hatte Glogowski, der sich in aller Unschuld seine Hochzeit hatte sponsern lassen, den Löffel abgegeben. Sein Nachfolger heißt Gabriel. Mehr weiß man nicht und es ist auch nicht nötig. Gleichzeitig ist auch die SPD voll involviert. Schatzmeisterin Wettig-Danielmeier hat sinnvollerweise gleich zugegeben, daß die Stückelung von Parteispenden, d.h. das bewußte Unterlaufen des Parteispendengesetzes auch in der SPD üblich war (und ist). SPIEGEL und FOCUS, WELT am SONNTAG und andere decken immer neue Skandale auf. Am liebsten im Lager des Gegners, aber auch gern da, wo es gerade passt. Fast bedauert man, daß FDP, Grüne und PDS nicht adäquat mitspielen dürfen. Linke Zyniker werden das alles nur abtun. Alles nur für die Galerie. Ganz so einfach geht es nicht. Immerhin ist auf eine ähnliche Art das italienische Parteiensystem zusammen gebrochen. Nicht, daß daraus gerade ein revolutionärer Schub entstanden wäre, dafür sorgte allein schon die PDS (Partito democratico della sinistra), aber immerhin: Democrazia christiana, PSI und PCI haben das zeitliche gesegnet. So unmöglich , wie die deutsche Linke, die glaubt, mit dem Entstehen von Grünen und PDS schon das revolutionäre Geschehen für mindestens zwei Generationen erlebt zu haben und jetzt in Ruhe und Frieden vor sich hinwerkeln möchte, ist der Zusammenbruch (de facto freilich nur ein Formwandel) des bundesdeutschen Parteiensystems nicht. |