Shareholder´s Value
Kirk Kerkorian`s Klage gegen Daimler Chrysler
Das hatte man sich ja - zumindest offiziell - ganz anders vorgestellt. Daimler Chrysler, hervorgegangen aus Daimler Benz AG und Chrysler Corporation, sollte der drittgrößte (und möglicherweise irgendwann noch etwas mehr) Automobilhersteller der Welt werden. Da hatte es schöne Sprüche gegeben. Von „Fusion unter Gleichen“, von Partnerschaft und ähnlichem war die Rede. Daraus wurde natürlich nichts. Es waren - und das war natürlich von Anfang an erkennbar, das übliche freundlich - tuende Gelaber, das man immer los lässt, wenn es gilt, den tatsächlichen Tatbestand etwas euphemistisch auszudrücken. Niemand konnte das ernst nehmen.
Jetzt behauptet einer, er hätte es doch getan: Kirk Kerkorian, milliardenschwerer Hauptaktionär der alten Chrysler Corporation. Er will die neu geschaffene, aber zur Zeit etwas trudelnde Daimler Chrysler AG auf zwei (andere Quellen sagen drei) Milliarden Dollar Schadenersatz verklagen, zusätzlich drei Milliarden Dollar Strafe wegen „Betruges“ und außerdem die Zerschlagung des Daimler Chrysler Konzerns erreichen. Daimler-Benz-Chef Schrempp hätte mit falschen Karten gespielt. Er habe immer von einer „Fusion unter Gleichen“ und weltweiter Kooperation gesprochen, nie aber von Übernahme Chrysler´s durch einen deutschen Konzern. Sonst hätte er die Zustimmung Kerkorian´s und anderer Aktionäre (in der Tat haben sich mittlerweile andere Aktionäre dieser Klage angeschlossen bzw. parallele Klagen eingereicht) nie bekommen. Die Argumentation für sich genommen ist witzig. Als wäre das Gebrabbel von Wirtschaftsfunktionären (z.B. im Verkehr mit Gewerkschaften) je irgendetwas anderes gewesen als „Keep Smiling“. Auch Kerkorian wusste das. Nun sagt man schon in Deutschland „Auf See und vor Gericht ist man in Gottes Hand“, was bei dem reinen klassenjustizförmigen US-Rechtssystem, das „Outsidern“ auch nicht die allergeringste Chance lässt, umso mehr gilt, aber selbst in diesem System ist die Argumentation aberwitzig.
Aber es geht ja auch um etwas anderes: mindestens soll die Rendite eingefordert werden. Eben damit hapert es. Der Kurs von DaimlerChrysler ist in den letzten Monaten ständig auf Talfahrt. Das ist - eigentlich nichts Besonderes - Kapitalvernichtung, und zwar in relativ ordentlichem Ausmaß. Nun wissen wir (?) seit Marx, daß das Kapital seine Vernichtung nicht mag, obwohl sie in seiner Struktur angelegt ist.
Daimler Chrysler braucht die Klage des enttäuschten Anlegers Kerkorian wahrscheinlich nicht zu fürchten, aber was sich da abspielt, ist das, was eigentlich schon hundertmal hätte passiert sein müssen. Erhebliche Teile der Kapitalgewinne sind fiktiv, ihnen entsprechen keinerlei Gebrauchswerte, und diese sind ja am Ende immer noch die Grundlage des Wertes. Oder nicht? Kerkorian ist sauer. Das lässt sich verschmerzen. Doch was passiert, wenn - was irgendwann sicher passiert - versucht wird, die fiktiven Gewinne zu realisieren?
Bonne Chance!
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Autor: Charly Kneffel
Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin, Mi., 29.11.2000
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