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im Roten Salon


'Jetzt gilt´s, Männer'

Fritz Walter wird heute 80

Ist Alter ein Verdienst? Wohl nicht, aber von einem gewissen Punkt an häufen sich doch die Ehrungen. So geht es auch Fritz Walter. Heute wird er 80 Jahre alt und Ehrenbürger von Rheinland-Pfalz. Das ist immerhin ein Titel, den der zurückhaltende, fast ein wenig scheue Kapitän der ersten deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die jemals Weltmeister wurde, mit niemandem teilen muß. Die Ehrung wurde erstmalig vergeben. Ministerpräsident Beck persönlich gibt sich die Ehre.

Ehrungen hatte Fritz Walter allerdings auch zuvor schon bekommen. Er ist - neben Uwe Seeler und Franz Beckenbauer - der dritte (und älteste) Ehrenspielführer der Nationalmannschaft und nach ihm ist das altehrwürdige "Stadion am Betzenberg", bis heute die Heimstatt des 1 FC Kaiserslautern, benannt.

Dabei hatte es mit seiner Karriere - jahrgangsbedingt - zunächst nicht gut ausgesehen. Fritz Walter ist Jahrgang 1920, 1939 machte er sein erstes Länderspiel. 1939 war aber auch das Jahr, in dem der unselige Gefreite aus Braunau den 2. Weltkrieg entfesselte. Es geschah viel Schlimmes, und so gesehen verblaßt das sportliche Schicksal des Kaiserslauterner Jungstars, aber es schien doch so, als würde es ihn die Karriere kosten. Einige Jahre spielte die Nationalmannschaft noch: gegen Verbündete und einige Neutrale, aber die Anzahl der möglichen Gegner wurde immer geringer und schließlich hörte der Spielbetrieb der Nationalmannschaft ganz auf, lange bevor - im Januar 1945! - die Meisterschaftsrunden abgesetzt wurden. Fritz Walter war da längst Soldat, er geriet später in Gefangenschaft.

Auch nach dem Krieg dauerte es einige Jahre, bis Fußball wieder oberhalb der lokalen Ebene gespielt werden konnte und als schließlich die Schweiz den Anfang machte und sich - 1950 - zum ersten Mal der neuen (?) deutschen Mannschaft stellte, war Walter bereits knapp 30. Es war auch in vielem keine neue Mannschaft. Auch der "Chef" war derselbe, Sepp Herberger, Sport-Philosoph, Fußballfachmann und opportunistischer Mitläufer des Nazi-Regimes (das hatte er allerdings mit vielen gemeinsam!).

Doch mit einem Triumpf hat sich Fritz Walter für immer in die Herzen der Fußballfans eingeschrieben. Das war die Weltmeisterschaft von 1953. Das unvergessene 3-2 gegen Ungarn im Berner Stadion (wieder in der Schweiz). Kennt heute noch jemand die Namen: Toni Turek; Werner Kohlmeyer, Horst Eckel; Jupp Posipal, Werner Liebrich, Karl (Charly) Mai; Helmut Rahn, Ottmar Walter, Hans Schäfer, Max Morlock und eben Fritz Walter? Und den unvergessenen Ruf des Radioreporters Zimmermann: Rahn kommt, Rahn kommt, Rahn schießt Tor - Tor - Toooooooooooor!

Alle Spieler (inclusive der Ersatzspieler) erhielten eine Prämie: 1 Waschmaschine und 1 Fernseher (schwarz-weiß).

Bis 1959 dauerte die Karriere des Fritz Walter noch. Dann, nach einem 4-2 Sieg gegen Racing Paris, beendete er seine Laufbahn als aktiver Fußballer. Trainer wollte er nicht werden: hielt sich für zu weich. Manager gab es damals noch nicht. Er wurde Repräsentant vieler Firmen und machte das, was er am besten konnte: einen guten Eindruck. Nur einmal noch trat er aktiv in Erscheinung: als er den Verein seines Wohnortes - den SV Alsenborn - beriet und maßgeblich am Aufstieg dieses Vereins Anteil hatte, der für mehrere Jahre den Fußball in der zweiten Liga im Südwesten beherrschte. Spätestens als der SVA bei Einführung der 2. Bundesliga an den wirtschaftlichen Vorausetzungen scheiterte (der Ort hatte nur 2000 Einwohner!) stand Fritz Walter wieder im Hintergrund. Es war still geworden um Fritz Walter und seine Frau Italia. Aber das war ihm sowieso immer am liebsten. Auch das Alter forderte seinen Preis und die Gesundheit wohl auch. In die heutige Zeit paßte Fritz Walter wohl nicht mehr so recht. Das Motto seines Chefs: "Elf Freunde müßt ihr sein" wirkt antiquiert. Aber es existiert weiter in einer "modernen" Version: "Der Star ist die Mannschaft". Das ist etwas anderes und doch das Gleiche. Sozusagen: teamgeist auf neoliberal.

Fritz Walter sieht das alles gelassen, auch daß er sich seinen Ruhm mit einem Namensvetter jüngeren Datums teilen muß.

Wir erinnern uns an ihn. Deshalb alles Gute.

  • Autor: Charly Kneffel
    Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
    Update: Berlin, Mi., 01.11.2000