Bayer oder Borussia
Endspurt in der Fußball-Bundesliga
Das ist hier die Frage, denn vier Spieltage vor dem Ende der Saison haben praktisch nur noch diese beiden "Vereine" eine ernsthafte Chance auf die Meisterschaft. Bayer Leverkusen machte es sauber gegen den Tabellenletzten von der anderen Rheinseite. Allerdings war der Elfmeter, den Butt zum 1:0 reinmachte, unberechtigt, was aber morgen keinen mehr interessiert. Borussia Dortmund siegte am Sonntag mit 2:1 über die Löwen, die, längst jenseits von gut und böse, locker aufspielten und durch Schroth sogar mit 1:0 in Führung gingen. Wohl endgültig aus dem Rennen sind dagegen die Bayern, die sich in der letzten Minute im Heimspiel gegen den SV Werder noch den Sieg abjagen ließen und auch Schalke, das im - wie immer - ausverkauften Stadion AufSchalke einen sogenannten Arbeitssieg gegen den HSV erreichte. Sie taten aber kaum mehr als nötig und bei den Toren halfen die Hamburger noch tüchtig mit, vor allem Fukal, der mit einem einmaligen Patzer Ebbe Sand die Gelegenheit zum 2:0 einräumte.
Das schönste Tor des Tages aber fiel in Cottbus, wo kurz vor Schluß beim Stande von 3:2 für Energie Torhüter Tomislav Piplica den Ball im Anflug genau beobachtete, kommen ließ, den Kopf einzog und dann in unnachahmlicher Weise irgendwie mit dem Nacken in´s eigene Tor abrollen ließ. Sämtliche Mitspieler und Zuschauer waren fasziniert und es bleibt unverständlich, warum sich Piplica nach dem Spiel ohne Interview schnellstmöglich, wort- und grußlos aus dem Stadion verzog. Sei´s drum: auf diese Weise kam die Mönchengladbacher Borussia doch noch zu einem Punkt, der dem Spielverlauf nach auch durchaus berechtigt war.
Nachdem Freiburg am Sonntag der Magath-Truppe durch Meira und Handschuh einen 2:0 Sieg erlaubt hat, scheint nun auch die Abstiegsfrage weitgehend geklärt, obwohl St. Pauli immerhin noch ein Heimspiel gegen den 1 FC Nürnberg hat, den einzigen Klub, der den drei am Ende noch "gefährlich" werden könnte. Köln war, trotz erstaunlich guter Spielanlage, in Leverkusen letztlich ohne Chance und St. Pauli rackerte sich 90 Minuten gegen die keineswegs guten Lauterer ab, kam aber - immerhin in Unterzahl (Held war des Feldes verwiesen worden) - nur noch durch einen Elfmeter zum Ausgleich. Genützt hat den Pfälzern dieser Punkt aber auch nicht viel: der Abstand zur Berliner Hertha beträgt nun immerhin 5 Punkte.
Gratulieren kann man Hannover 96. Ebenfalls nach 30 Spieltagen kann die Mannschaft zwar rechnerisch noch von der "Meisterschaft" abgefangen werden, aber nicht mehr vom Aufstieg. 13 Punkte vor dem Vierten sind eine sichere Aufstiegsgarantie. Der Rest geht jetzt nur noch zwischen Mainz (am Montag gegen Frankfurt), Bielefeld, Greuther Fürth und auch noch dem VFL Bochum, der zwar seine große Chance in Bielefeld verspielte und sich eine 0:3 Niederlage einhandelte, trotzdem noch im Geschäft bleibt. Draußen ist dagegen Union Berlin, bei dem sich Präsident Bertram schon bei der "Mannschaft und dem Trainer" für die erfolgreiche Saison bedankte. In der Tat: ungefährdeter Klassenerhalt, tapferer Kampf im UEFA-Cup und eine enorme Popularitätssteigerung, da konnte auch der Absturz des Mini-Kirch Kölmel nicht mehr negativ in´s Gewicht fallen. Ansonsten: aus die Maus.
Mit einem glatten 4:0 Sieg gegen die stark gefährdeten Hachinger hat sich die Littbarski-Truppe des MSV Duisburg die Punkte eingefahren, die zum theoretisch noch möglichen Abstieg fehlten, dagegen wird es für die Münchner Vorstädter eng. Viertletzter und vor allem eine Konkurrenz, die in den letzten Spielen auffällig gut punktet. Nur für Babelsberg, Saarbrücken und Schweinfurt ist der Profifußball für´s Erste vorbei.
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Autor: © Charly Kneffel, Berlin 07.04.2002
Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin Fr., 28.06.2002
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