Jammern ist das Geschäft des Kaufmanns
Oder: Die traurige Geschichte vom FC Bayern München
Das wird ganz bitter für den FC Bayern München. Er wird, daran ist nun Nichts mehr zu rütteln, dieses Jahr völlig leer ausgehen. Nein, natürlich nicht, was das Finanzielle angeht, aber doch in sportlicher Hinsicht.
Die Meisterschaft ist passe, seit gestern auch die ChampionsLeague und selbst der ohnehin nicht als vollwertig angesehene Pokal ist für dieses Jahr weg. Man sollte meinen, so ist das im Leben, Vereine wie etwa der FC St.Pauli haben überhaupt noch nie irgendwas gewonnen, von Energie Cottbus ganz zu schweigen, andere müssen schon uralte Vereinschroniken bemühen, um nachzuweisen, daß sie vielleicht sogar schon mal Deutscher Meister waren, so 1906 oder 1907.
Das ist in München, zumindest bei den Bayern, anders. Hier muß jedes Jahr ein Titel her und das internationale Geschäft, womit ausdrücklich nicht der UEFA-Cup ("Cup der Verlierer", so Franz Beckenbauer) gemeint ist. Die Meisterschaft ist eigentlich Pflicht, sie fällt jedes Jahr sozusagen als Nebenprodukt ab , damit wenn was hat, wenn man mal durch unglückliche Umstände nicht die ChampionsLeague gewinnt und auch der - ohnehin nicht hoch gehandelte - Weltpokal etwa an Montevideo gehen sollte.
Zur Zeit stehen die Bayern nicht einmal auf dem ChampionsLeague-Qualifikationsplatz, auch wenn sich Manager Hoeneß angesichts des Restprogramms der Schalker noch optimistisch gibt. So wird schon einmal der Große Schnitt vorbereitet. Deisler kommt, Ballack kommt, mit Ze Roberto wird aussichtsreich verhandelt. Nur Kehl erfrechte sich, in den Pott zu wechseln. Dafür geht Effenberg, jetzt auch Sergio und Sforza soll auch gehen, weiß aber nichts davon bzw. will nichts davon wissen. Jancker und Zickler, beide immerhin Nationalspieler, wurde "nahegelegt", sich einen anderen Verein zu suchen. Über kleinere Kaliber etwa Marke Fink oder Tarnat redet der Manager erst gar nicht.
Uli Hoeneß ist, zumindest wenn man seinen Worten glauben schenken mag, ein "reiner Philosoph". Dazu gehört, sagt er "...auch, das Gas wegzunehmen. Das habe ich in diesem Jahr bewußt getan, weil es sonst irgendwann den totalen Crash gibt...". Diese zunächst etwas kryptische Aussage erklärt uns den etwas niedrig gehängten Einkauf vor dieser Saison. Die Brüder Nico und Robert Kovac haben beide nicht so eingeschlagen, Pablo Thiam ist "sehr sensibel" und Pizarro hat noch nicht ganz begriffen, was es heißt, für den FC Bayern zu spielen.
Hübsch, wenn es einem gelingt, nachträglich für das eigene Verhalten auch noch die passende Theorie zu entwickeln, sozusagen das "Buch zum Film" oder Karl Marx hintenrum. Richtig ist, die Bayern waren im Sommer vergangenen Jahres auf Wolke sieben, hatten die ChampionsLeague gewonnen und das Bayern-Management glaubte, diese große Mannschaft, die aber auch alles gewonnen hatte, was man gewinnen kann und eben auch mit den Jahren leicht älter wird, würde ihren Schwung noch ein Jahr retten können unddanach würden viele Verträge von selbst auslaufen und sich die Sache mit dem Umbruch geräuschlos regeln lassen.
Punktuell klappt das ja auch, aber die Anzahl der Aussetzer wird immer größer. Man nennt das: Fehlkalkulation.
Ganz so groß müssen die Sorgen um den FC Bayern aber nicht sein, denn der Klub, längst der EINZIGE in Deutschland, hat ja noch seine Farmteams, wie z.B. Bayer Leverkusen oder Hertha BSC Berlin, wo künftige Bayern-Stars heranreifen und Spielpraxis erlangen dürfen. Wie einst der selige KSC.
Es ist schon beeindruckend: der FC Bayern mag ja noch von dieser Welt sein, aber gewiß nicht von dieser Liga.
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Autor: © Charly Kneffel, Berlin 11.04.2002
Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin Fr., 28.06.2002
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