Die Sprengel sind abgesteckt
Bei den Grünen in Baden-Württemberg ist Schluß mit lustig
Nein, leicht macht man es den dürftigen Resten des einstigen ökologisch-pazifistischen Flügels bei den Grünen wirklich nicht. Anstatt den politisch ohnehin bedeutungslos gewordenen Parteiflügel wenigstens in einem Soziotop zu pflegen, um den Nachgeborenen zu zeigen: so waren wir alle einmal, zieht man einfach durch. Das Winnie Hermann, einer der letzten konsequenten Rebellen gegen den Militärkurs der Parteiführung, noch auf den achten Platz gewählt wurde, war nicht mehr zu verhindern, ist aber auch egal, denn nach menschlichem Ermessen dürften nur die ersten sieben Plätze den Einzug in den Bundestag ermöglichen.
Auch sonst ging für den linken Flügel auf dem Parteitag der baden-württembergischen Grünen in Freiburg nichts. 200 Delegierte hatten nur über eine Sache zu entscheiden: wie die Landesliste für die kommende Bundestagswahl zu besetzen sei. Dabei sind in der "basisdemokratischen" Partei längst im Vorfeld alle wesentlichen Absprachen getroffen: wer gegen wen wann antritt, wer unter welchen Bedingungen zurückzieht bzw. nicht. Eigentlich ist es - so wie bei anderen Parteien auch - dann nur noch Sache der Basis, das alles abzusegnen. Manchmal freilich ist diese Basis störrisch, manchmal auch einfach zu doof. Aber in Baden-Württemberg wohnen clevere Menschen.
Da aber bei den Grünen, ein längst überflüssiges Relikt aus Gründerzeiten, das wohl demnächst fallen wird, die Listen nach Geschlecht quotiert sind, d.h. zumindest alle ungeraden Plätze den Frauen vorbehalten bleiben, herrscht auf den Männerplätzen ein ziemliches Gedränge. Da gab es schon einige komplizierte Dinge zu klären, z.B.: wie verhindert man Winnie Hermann, so, dass er zwar vergrätzt ist und langsam auf natürlichem Wege ausscheidet, aber auch so, dass es nicht zum Eklat kommt. Und wie arbeiten die Realo-Männer (und die Frauen) dabei so zusammen, dass das Ziel erreicht wird, aber man selbst doch zum Zuge kommt. Denn - davon sind die Granden der Basisdemokratie allemal überzeugt - schließlich würde ihr Ausscheiden aus dem Bundestag der Partei schweren Schaden zufügen.

Doch wenn der Kuchen kleiner wird, werden auch die Stücke kleiner, oder, wenn das nicht geht, muß eben einer raus. Diesmal erwischte es den sichtlich enttäuschten Oswald Metzger, seines Zeichens Haushaltsexperte der Bundestagsfraktion. Ein Mann, dessen politisches Überleben zumindest nach Meinung der TAZ (15.4.02) für die Grünen ein "überlebenswichtiges Fall" sein kann. Warum, weiß kein Mensch.
Metzger kandidierte um Platz 4 gegen Rezzo Schlauch und verlor. Dann kandidierte er um Platz 6 gegen Cem Özdemir und den durchgereichten Winnie Hermann. Abermals scheiterte er. Dann hatte er die Schnauze voll und kündigte an, sich "in einem anderen Beruf umtun" zu wollen. Da wird er demnächst auf Andrea Fischer treffen, der ein ähnliches Missgeschick passierte. Vielleicht ist der neue Beruf aber auch der alte, denn FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper ließ unmittelbar darauf verlauten, man könne sich "Metzger sehr gut als FDP-Mitglied vorstellen". Seine politische Karriere müsse "nicht zu Ende sein".
Wo sie recht hat, hat sie recht und schließlich ist es auch egal, in welcher liberalen Partei Oswald Metzger seine Fachkompetenz ist Sachen Haushaltskürzung beweist.
Vom linken bzw. pazifistischen Flügel war ansonsten nichts zu sehen. Einige achtbare Ergebnisse soll er gehabt haben, aber letztlich doch alle Abstimmungen verloren.
Die Parteiführung um Fischer, Kuhn, Schlauch und Co. aber kann zufrieden sein. Stimmen wird´s keine kosten und das Profil stimmt.
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Autor: © Charly Kneffel, Berlin 15.04.2002
Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin Fr., 28.06.2002
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