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im Roten Salon


Möllemann kriecht zu Kreuze - aber dann doch nicht

Doch nicht vor Michel Friedman

Am Ende war der Druck doch zu stark: Nach einem Ultimatum des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle vom Mittwoch erklärte der FDP-Landtagsabgeordnete Jamal Karsli, dessen als antisemitisch angesehenen Äußerungen die jüngste Affäre ausgelöst hatten, seinen Aistritt aus der FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag. Er tue dies, erklärte Karsli "um Schaden von der FDP abzuwenden". Auf einer Pressekonferenz im Landtag rang sich auch der FDP-Vizevorsitzende Möllemann zu einer Art Entschuldigung durch. Zwar nicht bei seinem Gegenspieler Michel Friedman, aber doch bei den Juden als Kollektiv. Der "Zentralrat der Juden in Deutschland" meinte dazu, nun stehe einem Gespräch zwischen dem Zentralrat und der FDP nichts mehr im Wege, da die beiden wesentlichen Bedingungen, eine Entfernung Karslis aus der Fraktion und eine Entschuldigung Möllemanns nunmehr erfüllt seien.

Zuvor hatten auf Initiative der jüdischen Gemeinde Berlin ca. 2000 Menschen vor dem Thomas-Dehler-Haus, der FDP-Parteizentrale in Berlin demonstriert.

Parteichef Westerwelle, zuvor auch in der eigenen Partei massiv unter Druck gesetzt, solidarisierte sich mit Möllemann, der sein Stellvertreter "sei und bleibe". Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Clement meinte noch eins draufsetzen zu müssen und forderte nun den Mandatsverzicht Karslis. Dieser lehnte jedoch ab und auch Möllemann betonte, Herrn Karsli "weiterhin als Kollegen" behandeln zu wollen.

Mittlerweile wurde bekannt, dass Jürgen Möllemann in einem Interview mit dem Nachrichtensender N-TV Michel Friedman ausdrücklich von seiner Entschuldigung ausgenommen habe. Dieser sei "aggressiv und arrogant" und müsse "erst mal was wegräumen". Der Zentralrat zog daraufhin seine Gesprächsbereitschaft mit der FDP wieder zurück. Zuvor hatte der Düsseldorfer Landtag gegen die Stimmen der FDP eine Erklärung verabschiedet, die den Antisemitismus verurteilt und harte Kritik an der FDP übte.

  • Autor: © Charly Kneffel, Berlin 30.05.2002
    Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
    Update: Berlin Fr., 28.06.2002