Das Historische Stichwort
Am 24. Juni 1922 wurde Walther Rathenau ermordet
Am späten Vormittag des 24. Juni 1922 wurde der Reichsaußenminister Walther Rathenau, kurz nach der Abfahrt aus seiner Wohnung im Grunewald, von Angehörigen der faschistischen "Organisation Consul" ermordet. Sie lauerten dem Wagen des Ministers auf, überholten ihn und schossen mit der Maschinenpistole. Walther Rathenau wird bereits tot in sein Haus zurückgebracht.
Walther Rathenau war kein Linker, er gehörte zum jüdischen Großkapital, war Präsident der damals bedeutenden AEG (Allgemeine Elektrizitäts Gesellschaft) und Außenminister. Doch für die antisemitischen Cliquen, die noch schwer am verlorenen Krieg knauserten, genügte seine jüdische Abstammung und Religion, um ihn als Außenseiter, ja als Volksfeind zu empfinden.
Da nutzte es ihm auch nichts, dass er - gemeinsam mit Reichskanzler Joseph Wirth - den Rapallo-Vertrag mit der Sowjetunion unterzeichnete, durch den die beiden großen Verlierer des 1. Weltkriegs ihre Ausgrenzung auf internationalem Parkett durchbrechen wollten. Dort wurde allerdings auch die Kooperation der UdSSR mit der geheimen Reichswehr vereinbart, die den Deutschen eine Aufrüstung ohne Rücksicht auf die Beschränkungen des Versailler Vertrages ermöglichen sollte.
Nach den Wahnvorstellungen der Mörder Heinrich Fischer, Heinrich Kern und Ernst Werner Techow sollte Rathenau einer der "300 Weisen von Zion" sein. Mit dem Mord sollten, so dachten sich die Herren das, die Kommunisten zum Aufstand provoziert werden und dann würde die geschwächte Reichswehr die Freikorps, die gerade aufgelöst worden waren, um Hilfe ersuchen müssen. Es kam anders. Weder kam es - zu diesem Zeitpunkt - zu einem kommunistischen Aufstand noch ernteten die Vaterlandsretter großes Lob. Bei einem Schusswechsel mit der Polizei wurde einer getötet, einer beging Selbstmord.
Die Weimarer Justiz fand keine "Organisation Consul" und suchte auch nicht danach. Es seien alles "Einzeltäter" gewesen, hieß es stattdessen.
Teile der Organisation Consul gingen später in der NSDAP auf, andere bekamen um den 30. Juni 34 herum Schwierigkeiten. Doch "Kapitän Ehrhardt", der Chef, überlebte den Krieg, obwohl auch er auf der Mordliste des 30. Juni gestanden hatte.
Neben Walther Rathenau wurde noch Matthias Erzberger ermordet. Reichskanzler Joseph Wirth wusste es schon damals: "Der Feind steht rechts."
Anmerkung
Mehr siehe auch bei der Walther-Rathenau-Gesellschaft unter http://www.walther-rathenau.de
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Autor: © Charly Kneffel, Berlin 25.06.2002
Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin Fr., 28.06.2002
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