Und am Ende doch wieder die Bayern?
Bundesligavorschau 02/03: FC Bayern München
So kann man sich täuschen: Im Vorjahr schrieb ich, dass es zu den von Marx und Engels entdeckten gesellschaftlichen Gesetzen gehört, dass die Bayern immer Deutscher Meister werden. Sie wurden es nicht. Schließlich ja auch in der langen Geschichte des DFB bisher nur 17 Mal, wenn auch 16mal davon seit 1969. Aber immerhin: immer mal wieder gelingt es irgendwem, die eiserne Regel zu durchbrechen. Das ist dann jedes Mal für das Management des FC Bayern, der ja nur sein Pflichtprogramm in der Bundesliga absolviert und die Kür in der ChampionsLeague, eine Riesenenttäuschung, ein verlorenes Jahr.
Deshalb lastet ein gehöriger Druck auf Ottmar Hitzfeld, den Trainer, der nun auch schon seit 1998 im Amt ist. Bei den Bayern wurde dieses Jahr der große Schnitt vollzogen, Sergio musste gehen und gar der Star der Mannschaft: Stefan Effenberg, der jetzt allen Ernstes Arbeitslosengeld bezieht und ernsthaft, wie er verlauten ließ, erwägt, seine Karriere zu beenden, wenn nicht bis spätestens zum 14. August ein namhafter Verein ihn verpflichtet. Das wäre schade, denn was immer man von dem manchmal grotesk und dreist auftretenden Großmaul Effenberg halten mag: ein großer Spieler und ein Exzentriker war er. Ansonsten sind die Bayern aber mit ihrer Besatzung recht pfleglich umgegangen. Alle, auch die, deren sportlicher Höhepunkt ebenfalls in der Vergangenheit liegt, durften bleiben. Allerdings wird sich das in der Mannschaftsaufstellung anders ausnehmen. Denn so manche, wie z.B. Fink und Tarnat, dienen nur noch als Lückenbüßer. Sie können was und sind immer noch in der Lage, Ausfälle kurzfristig vergessen zu machen, aber die eigentlichen Leistungsträger sind sie nicht mehr.
Das sollen nun andere sein. Allen voran die drei teuren Einkäufe: Deisler, der aber verletzungsbedingt noch einige Zeit auf Eis liegen wird, dann Ze Roberto und schließlich Michael Ballack. Daran hängt die Bayern-Hoffnung. Finanziell haben sich die Bayern natürlich längst vom Rest abgekoppelt, so dass die Kirch-Krise auf sie nicht durchschlagen konnte. Einige wäre man sicher auch noch gerne losgeworden. Bei Jancker und Sforza hat´s gerade noch geklappt, aber auch Zickler kam nie über den Platz eines Edelreservisten hinaus.
So bildet sich das neue Team: Kahn ist gesetzt, R. Kovac, Kuffour, Sagnol, Lizarazu, der unverwüstliche Linke, die Oldies Fink und Tarnat, N. Kovac, der hochtalentierte Kanadier (aber als Engländer zählende) Hargreaves, immer noch Scholl, Jeremies, Salihamidcic, Elber, Pizarro, Santa Cruz usw. Danach würde sich jeder andere Bundesligist die Finger abschlecken. Auch das Argument von der Dreifachbelastung zählt da nicht. Die Mannschaft ist einfach auf allen Posten so gut besetzt wie sonst keiner und müsste mit dieser Breite auch Verletzungen einigermaßen wegstecken können.
Unter normalen Umständen müsste es reichen. Allenfalls Borussia Dortmund oder Bayer 04 Leverkusen in Superform könnten, wenn sie recht früh im internationalen Wettbewerb ausscheiden und sich dementsprechend auf die Liga konzentrieren können, für eine Überraschung sorgen. Allein: Ich glaube es nicht. Also - Bayern wird zum 18. Mal Deutscher Meister. Es geht nicht anders.
- Autor: Charly Kneffel, 09.08.2002
Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin Fr., 09.08.2002
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