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im Roten Salon


Vor dem Angriff - Quislinge werden in Position gebracht

Iraks 'Opposition' zu Gast bei Cheney und Rumsfeld

Während US-Präsident Bush in seinem Urlaubsort Crawford (Texas) gutgelaunt verkündete, einen Zeitplan für einen Militärschlag gegen den Irak gebe es noch nicht, trafen sich die Vertreter einer irakischen "Opposition" in Washington mit US-Vizepräsident Cheney in dessen Amtssitz beim Weißen Haus (Cheney war allerdings selbst nicht anwesend, sondern ließ sich telefonisch zuschalten) und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Beide Seiten gaben sich mit dem Verlauf der Gespräche sehr zufrieden.

Die Vertreter der irakischen Opposition erklärten, sie hätten sich mit den amerikanischen Politikern über die Zukunft des Irak als "freien, demokratischen und pluralistischen" Staat unterhalten. Bei den Vertretern der Opposition handelt es sich um Scharif Ali Bin al-Hussain, den Sprecher des "irakischen Nationalkongresses", zwei Vertreter kurdischer Gruppen, die im Norden des Landes de facto als unabhängige Herrschaften auftreten und als Aufmarschgebiet türkischen Militärs sowie amerikanischer Agenten fungieren und möglicherweise für eine ähnliche Rolle vorgesehen sind wie sie die Nord-Allianz in Afghanistan spielte, einem Vertreter der schiitischen Opposition sowie zweier weiterer Gruppen. Die Oppositionsvertreter, deren Organisationen alle vom Exil aus operieren und von deren Inlandsaktivitäten jedenfalls offiziell kaum die Rede ist (abgesehen natürlich von den kurdischen Separatisten) behaupteten, "niemand" stünde mehr hinter Saddam Hussein oder sei gar bereit, für ihn zu kämpfen. Die Truppen der USA und ihrer Alliierten würden in Bagdad als Befreier begrüßt werden. Hinter ihnen stünden auch maßgebliche Teile des irakischen Militärs. Immerhin gelang es ihnen erstmals seit langer Zeit, offenbar unter dem Eindruck des bevorstehenden Endes des Regimes im Irak, sich leidlich einheitlich zu präsentieren Inwieweit sie tatsächlich relevante teile der Bevölkerung repräsentieren, ist allerdings von außen kaum festzustellen.

Im Irak versucht dagegen das Regime Saddam Husseins, Stärke zu demonstrieren. Der Diktator ließ "Freiwillige" in Bagdad aufmarschieren und drohte den USA und anderen Interventen einen verbissenen Häuserkampf an. Jeder, der es versuche, den Irak zu erobern, werde auf "dem Müllhaufen der Geschichte" landen. Während das Regime im Innern versucht, die Bevölkerung durch die Androhung des Krieges bei der Stange zu halten, versucht es sich gleichzeitig durch diplomatische Schritte zu entlasten. Aus diesem Grunde erfolgte der Versuch, UN-Vertreter ohne wirklich substantielle Zugeständnisse zur Einreise in den Irak und zu Vorverhandlungen zu bewegen. Die Demarche Saddams wurde jedoch bislang von der UNO, namentlich Generalsekretär Kofi Annan, zurückgewiesen. Während die US-Regierung einerseits auf Zeit spielt, laufen hinter den Kulissen emsige Bemühungen, die Verbündeten auf Linie zu bringen. Zwar haben die USA bereits deutlich gemacht, sie würden - wenn es sein müsse - auch allein vorgehen, dennoch ist sowohl politische, als auch finanzielle und logistische Unterstützung kaum verzichtbar. Nach der Weigerung Saudi-Arabiens, die eigenen Militärbasen für amerikanische Operationen zur Verfügung zu stellen, konzentriert sich die amerikanische Initiative vor allem auf die Scheichtümer und die Türkei, während Israel aus politischen Gründen offiziell außen vor bleibt. In den europäischen Bündnisstaaten der USA regt sich dagegen zunehmend Widerstand. Selbst in Großbritannien warnen Konservative, aber auch Vertreter des wieder erwachten linken Flügels der Labour Party vor militärischen Abenteuern, wobei sie sich auf eine verbreitete Stimmung in der Bevölkerung stützen können. Die deutsche Koalitionsregierung hat ebenso wie der französische Staatspräsident Chirac eine direkte militärische Beteiligung offiziell abgelehnt, der Opposition gelingt es zur Zeit nicht, einheitlich aufzutreten.

  • Autor: Charly Kneffel, 11.08.2002
    Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
    Update: Berlin So., 11.08.2002