Immer dabei - nie vorneweg
Auch diesmal wird´s nichts mit Schalke 04
Langsam werden die Fans schon unruhig. Zwar hatte Schalke direkt nach dem Wiederaufstieg 1997 den UEFA-Cup geholt und sich damit wieder in die internationale Öffentlichkeit gespielt, dann gab es noch den Titel "Meister der Herzen", für den, in ähnlicher Form, sich aber schon Prinzessin Diana nichts kaufen konnte, 2001 und 2002 immerhin zweimal den deutschen Vereinspokal in Folge. Ganz von der Hand weisen lässt sich also nicht, dass Schalke 04 wieder wer ist. Aber das alles befriedigt letztlich nur dann, wenn auch einmal die Salatschüssel wieder nach Schalke wandert, zumal der ewige, ungeliebte Rivale Borussia Dortmund schon 1995 und 96 und jetzt wieder die Schale geholt hat.
Immerhin hat Schalke 04 jetzt eines der schönsten Stadien in Europa: die Arena "Auf Schalke" mit mehr als 60 000 Zuschauerkapazität, ausfahrbarem Rasen und Schiebedach, eigentlich eher eine Halle als ein Freiluftstadion. Und das Stadion ist so gut wie immer ausverkauft. Die Fans von Schalke 04 sind dankbare Fans, immer bereit, ihre Lieblinge zu unterstützen und ihnen auch schwache Leistungen, Extravaganzen und allerlei Unsinn zu verzeihen. Schließlich hat man da bei dem Klub, der früher als "Skandalnudel" verschrien war, so einige Erfahrungen. Man denke an den Schatzmeister Nier, der schon in den frühen 30er Jahren in die Emscher ging, als die Schalker Mannschaft zu "Profis" erklärt wurde und längere Zeit im Gebiet des DFB nicht um Punkte spielen durfte. Auch an die dubiose Abstiegs- und Ligaaufstockungsaffären 1948 und 1965, ja sogar an den Bundesliga-Skandal, als der Klub außerhalb seiner eigenen Anhängerschaft als "FC Meineid" bekannt wurde.
Jetzt ist Schalke seriös, um nicht zu sagen brav, um nicht zu sagen langweilig geworden. Zeit also für eine große sportliche Serie. Das Ziel hat Manager Assauer auch ausgegeben: Die Nummer drei werden im deutschen Fußball. Ganz so weit ist es noch nicht, aber für die Top Five hat es immerhin schon gereicht.
Dieses Jahr, das Geld saß wegen der Kirch-Krise und wegen des Stadionneubaus ohnehin nicht so locker, ist bei Schalke Generationswechsel abgesagt. Die Karriere der Olaf Thon, Schalker Idol über mehr als 15 Jahre, Yves Eigenrauch, Youri Mulder, Büskens, Grodas lief aus. Happe hatte es nicht geschafft, sich in Schalke durchzusetzen und wechselt zum 1 FC Köln, der deutlich kleinere Brötchen backen muß. Auch der Publikumsliebling Jiri Nemec wechselt zum Ausklang seiner Karriere aus familiären Gründen nach Blsani (Tschechien) und folgt damit seinem Landsmann Latal.
Dagegen nehmen sich die Neuzugänge vergleichsweise bescheiden aus: Frank Rost folgt seinem ewigen Rivalen Oliver Reck, der aber nur noch Stand By-Profi ist, von Bremen in den Pott. Er will groß herauskommen. Christian Poulsen aus Kopenhagen ist ebenfalls ein teurer und - den ersten Auftritten nach zu urteilen - guter Neuzugang. Doch wer kennt Hanke, Ünlü oder Lamotte? Das klingt schlimmer als es ist, denn Schalke hat noch aus dem Vorjahr einige Neuzugänge auf Halde, die es im ersten Anlauf nicht so recht schafften.
Da sind der Argentinier Matellan, Heimkehrer Marc Wilmots, der eine fantastische WM-Leistung zeigte, jetzt aber verletzt ist, der Belgier Sven Vermant und Victor Agali. Auf Kristijan Djordjevic setzt man dagegen schon keine Erwartungen mehr. Einige dieser Spieler könnten es im zweiten Anlauf doch noch bringen. Vor allem stellt sich die Frage: schafft es Emile Mpenza noch einmal, seine alten Leistungen zu bringen?
Wenn alles gut läuft ist Schalke 04 durchaus in der Lage, im Kampf um die ChampionsLeague mitzuspielen. Für mehr müsste schon einiges zusammenkommen. Wenn es schlecht läuft? Nun ja, die Substanz ist in jedem Falle groß genug, um unter den ersten fünf zu bleiben, d.h international. Das erwarten die Fans auch mindestens. Eigentlich ja sogar mehr, aber man hat auch etwas Realismus, bei aller Euphorie. Tipp: Schalke wird Dritter.
- Autor: Charly Kneffel, 12.08.2002
Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin Mo., 12.08.2002
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