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im Roten Salon


Die Teufel im Fegefeuer

Auch der Betzenberg ist nur noch ein müder Hügel (Bundesligavorschau 02/03)

Daß der 1. FC Kaiserslautern eine deutsche Spitzenmannschaft sei, glaubt vielleicht noch Andreas Brehme, der seit fast 2 Jahren mit Eifel daran arbeitet, diesen Zustand zu ändern und die Lauterer dahin zu bringen, wohin sie dank ihrer unfähigen Vereinsführung tatsächlich gehören: ins untere Tabelledrittel. Diesmal könnte er damit Erfolg haben, denn man hat alles getan, um die Mannschaft zu schwächen und gleichzeitig mit überzogenen Ansprüchen zu überfordern, die den Unmut der überaus geduldigen Fans nach sich ziehen müssen.

Für eine Nachricht hat der 1. FCK in dieser Saison immerhin schon gesorgt, die ihm keiner mehr nehmen kann: es ist der erste Verein mit einer Trainerentlassung, und zwar schon vor Beginn der Saison. Allerdings wird das in der Öffentlichkeit noch kaum wahrgenommen, denn der Geschasste, Trainer Reinhardt Stumpf, war in den Augen der Fans eigentlich mehr ein Co-Trainer. Dabei war die Arbeitsteilung in der sportlichen Leitung des 1. FCK genau der National-Mannschaft nachgebildet: Gibt es dort einen Teamchef Rudi Völler, zuständig für Taktik, Öffentlichkeitsarbeit und Aufstellung, so ist doch Michael Skibbe, in Dortmund seinerzeit als Chef-Trainer nur mäßig erfolgreich, der die Arbeit macht. Und da dachten sich die klugen Macher aus der Pfalz: Was recht ist beim DFB, muß doch auch beim 1. FCK billig sein. So ist Brehme das Gesicht der Mannschaft, Stumpf war eher das Gegenteil. Damit hat es sich nun. Immerhin bot das Duo Brehme/Stumpf bis dahin ausreichend Gewähr, sich gegenseitig zu neutralisieren. Der schwache Karl-Heinz Emig wird sich da wohl Andreas Brehme leichter unterordnen und damit kann das Verhängnis seinen Lauf nehmen.

Immerhin hat Brehme das volle Vertrauen seiner sportlichen Leitung, in der der mittlerweile amtsmüde Jürgen Friedrich, früher mal ein ordentlicher Bundesligaspieler, immer noch den starken Mann gibt. Das bekam letzte Saison Youri Djorkaeff zu spüren, ein ehemaliger Weltklassespieler, der zu Beginn seines Engagements starke Leistungen, vor allem im Europapokal, ablieferte. Djorkaeff unterlag jedoch dem Missverständnis, er sei beim 1. FCK bei einer europäischen Spitzenmannschaft gelandet, von der nur vorher noch nicht viel gehört hatte, verständlich, denn welcher Franzose kann schon 1. FC Kaiserslautern aussprechen? Bald musste er jedoch registrieren, dass die teilweise guten Platzierungen der Lauterer nur dem Umstand geschuldet waren, dass es in der Bundesliga immer noch Dümmere gibt, wenn man erst mal so auf Rang sechs abwärts angekommen ist. Er wollte also wieder weg, doch es dauerte Monate, bis ihn die Pfälzer, die ihn bis dahin auf der Bank schmoren ließen, gehen ließen. Das zweite Opfer war Olaf Marschall, gebürtiger Ossi, der sich aber richtiggehend in der Pfalz akklimatisiert hatte - so sehr, dass er jetzt sogar einer der Sprecher der vereinsinternen Opposition ist - Marschall wurde erst zum Joker heruntergestuft, dann ausgemustert. Dabei hätte er gerne noch ein oder zwei Jahre spielen wollen und können.

Doch da Gott bekanntlich mit den Dummen ist, entpuppte sich Miroslav Klose, Beutegermane aus Polen, als Topspieler. Er wird noch ein Jahr in der Pfalz bleiben und zumindest solange werden die Lauterer nicht in ernste Abstiegsgefahr geraten.

Ansonsten ist ziemlich tote Hose auf dem Betzenberg: das Unikum Georg Koch steht im Tor, die deutsche Antwort auf Tomislav Piplica, der Haudegen Harry Koch säbelt hinten rum, für ca. 15 Minuten pro Spiel kann man sich auch auf Mario Basler verlassen, dann folgen noch Weltklassespieler Marke Hristov, Lokvenc, Knavs und der recht seltsame Hany Ramzy. Dazu Thomas Hengen und das Supertalent Markus Anfang, der über seiner Entwicklung allerdings auch schon 28 Jahre alt geworden ist, ohne mehr zu sein als ein großes Talent.

Alles in allem reicht das natürlich, die Frage ist nur: wofür? Verschleppen die Lauterer ihre unvermeidliche Vereinskrise lang genug, kann durchaus auch eine neuerliche Ehrenrunde in Liga zwei dabei herauskommen. Ansonsten reicht die Substanz für einen gediegenen Mittelplatz. Nicht mehr, aber jederzeit weniger.

Offizielle Infos unter www.fdk.de

  • Autor: Charly Kneffel, 18.08.2002
    Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
    Update: Berlin Mo., 19.08.2002