Charlys Homepage
im Roten Salon


Alles mit Ansage

Die PDS will Schröder, jetzt oder später

Zugegeben: Die Vorstellung wurde schon mal besser gegeben. Damals, als Joschka Fischer und seine "Realos" die Echternacher Springprozession in Grün gaben. Koalition nie, aber Tolerierung, die aber nur mit "unerlässlichen Bedingungen", schließlich dann doch Koalition, die aber nur mit Turnschuhen, die freilich eigens zum Zwecke der Vereidigung gekauft worden waren, schließlich auch mal wieder Opposition. Schon Karl Marx sagte, Hegel zitierend, dass "alle großen Dinge der Weltgeschichte sozusagen zweimal" vorkämen, einmal als Tragödie, einmal als Farce. Doch woher sollten unsere Sozial-Ossis das wissen?

Jetzt also hat die Frühstücksdirektion der PDS einen Wahlaufruf verfasst, der aus nicht ganz klar ersichtlichen Gründen dafür sprechen soll, PDS zu wählen, gleichzeitig aber klarmacht, dass die PDS auf keinen Fall Stoiber, in jedem Fall aber Schröder wählen will, wenn das Wahlergebnis es erfordert. Jedoch - und das ist die Pointe - nicht zum "Nulltarif". Denn die PDS, von der so ziemlich jede Sau im ganzen Land weiß, dass sie den Schröder wählen wird, wenn sie nur kann - was auch immer er macht - will ihm dafür, dass sie ihm gibt, was er zu wollen gar nicht zugeben darf, Bedingungen stellen: Erstens dürfte die SPD keine Auslandseinsätze der Bundeswehr mehr anordnen, zweitens dürften die Sozialsysteme nicht weiter privatisiert werden, drittens müsste etwas getan werden, um die Kluft zwischen Ost und West nicht zu vergrößern. Hübsch, nicht wahr?

Alles Käse. Was das in der Praxis heißt, haben die Grünen, genauer: ihre linken Dissidenten, bei der Abstimmung zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, schön demonstriert. Acht von ihnen gaben vor dagegen zu sein, doch als Schröder die "Vertrauensfrage" stellte, mauschelten sie sich eine Patentlösung zusammen, sie symbolisierten ihre Ablehnung, taten das aber so, das Schröder doch weiterregieren konnte. Wie sie die Aufteilung zwischen vier Ja-Sagern und vier Nein-Sagern hingekriegt haben, weiß bis heute kaum ein Mensch außerhalb des inneren Zirkels. Die FDP vermutete eine Art Losverfahren. Vielleicht hatte sie recht. Es ist aber auch egal. Denn die wirkliche Pointe ist die Prioritätensetzung. In der Tat, was ist schon ein Militäreinsatz gegen die Legalisierung der Homo-Ehe.

Jeder Mensch, der nicht völlig bekloppt ist, weiß welches Spiel die PDS hier spielt. Sie wird alles zugestehen, wenn Schröder sie dazu zwingt. Sie kann ja auch nicht anders, denn wo die Grünen den Widerspruch zwischen Realos und Fundis wenigstens eine zeitlang glaubwürdig spielen konnten, weil sie immerhin Sozialisation und Gehabe der 68er Generation, die ja mehrere Jahre lang drauf und dran war, die Weltrevolution zu machen, mitgebracht hatte, und der Mensch sich nun mal schwer von alten Gewohnheiten trennt (Jutta Ditfurth und Manfred Zieran spielen noch heute Revolutionsgrün) hat die PDS alles mögliche zu bieten, nur nicht den Geist der Fundamentalopposition, woran weder die Kommunistische Plattform noch der rührende Haufen "Linke Opposition in und bei der PDS" etwas ändert. Was hier betrieben wird, ist bestenfalls DDR-Nostalgie.

Okay: man muß ja Verständnis haben für die Nöte der PDS-Führung. Sie will ja nun mal gewählt werden. Dazu muß sie verständlich machen, dass sie nicht ganz so sozialdemokratisch ist wie die Sozialdemokraten, was zwar nicht stimmt, aber zumindest logisch klingt und sie muß andererseits klarmachen, dass, wer sie wählt, doch eben auch Schröder wählt. Also: nichts für ungut. Aber wenn an dem Satz aus dem Aufruf: "Bei der Bundstagswahl am 22. September steht unser Land vor der Entscheidungsfrage: Mehr soziale Gerechtigkeit, mutige und engagierte Friedenspolitik, ein Neuansatz für den Osten - oder weitere soziale Aufspaltung der Gesellschaft..." irgendetwas dran sein sollte, dann kann es nur von außerhalb des Parlaments kommen. Alles andere wird man danach organisieren müssen. Es wäre Zeit.

  • Autor: Charly Kneffel, 20.08.2002
    Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
    Update: Berlin Di., 20.08.2002