Und am Ende wieder: der Jörg
Doch Haiders Sieg ist ein Pyrrhussieg
Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob der Kärntener Landeshauptmann alles genau so geplant hatte, wie es dann am Ende gekommen ist. Vordergründig betrachtet hat er sich jedenfalls, wie erwartet durchgesetzt und sein etwas zerknirschtes Gehabe nach dem Rücktritt der FPÖ-Minister aus der Regierung gehört schließlich auch zur Show, die man von Haider erwartet. Ebenso sein Geziere nach dem Rücktritt der Susanne Riess-Passer vom Parteivorsitz. ER wollte halt gerufen werden und konnte sich doch sicher sein, dass man ihn auch rufen würde, denn wer wollte im Ernst - nach den jüngsten Erfahrungen - Parteichef unter Haider sein? So ist er nun wieder da, wo er seiner Meinung nach sowieso immer hingehört hätte: auf Platz eins der FPÖ.
Gerecht ist das natürlich, wenn man diese Kategorie in der Politik anwenden will, schon, denn was wäre die FPÖ ohne Haider? Sie war eine 5-Prozent-Partei, als er sie 1986 übernahm und erreichte bis zu 27-Prozent unter seiner Regentschaft. Alle, die gegenwärtig was sind in der FPÖ, verdanken ihren Aufstieg Haider. Und selbst Susanne Riess-Passer war - als "Königskobra" tituliert - über Jahre hinweg seine gehorsame Generalsekretärin und Frau fürs Grobe.
Doch der Preis für Haiders Sieg ist hoch: Es ist die Regierungsfähigkeit auf absehbare Zeit. In der Krise der FPÖ, von Haider planmäßig inszeniert, dann aber offensichtlich aus dem Ruder gelaufen, zeigt sich der Grundwiderspruch, der der Haider´schen FPÖ seit 1986 zu eigen ist: Der Widerspruch zwischen dem realpolitischen Gehalt der Partei, die in ihrer zweijährigen Regierungspraxis nicht s anderes war als die besonders reaktionäre Durchsetzung eines neoliberalen Austeritätskurses und den permanenten populistischen Events, mit denen sie ihre Attitüde als "Sprachrohr des kleinen Mannes" aufrecht erhalten wollte. Verkörpert wurde dies durch eine geradezu klassischen Realo/Fundi-Gegensatz in den Personen Riess-Passer einerseits und Haider andererseits. Doch auch ein Haider in der Regierung, was wohl hauptsächlich wegen der damaligen Verwerfungen in Europa nicht zustande kam, hätte kaum eine andere Politik machen können als die FPÖ-Gilde getan hat.
Doch dieser Verschleiß blieb Haider, der als "einfaches Parteimitglied" (das allerdings nebenbei noch Landeshauptmann von Kärnten ist) weiterhin aus Klagenfurt und seinem Stammsitz im Bärental die Fäden zu ziehen versuchte, erspart. Verschlissen hatten sich stattdessen die Regierungsmitglieder und die Partei selbst.
Dem absehbaren Niedergang kam Haider jetzt durch einen weiteren Event zuvor: er mobilisierte den Aufstand seiner Anhänger in Knittelfeld. Das Ergebnis mag absehbar gewesen sein. Doch einmal noch schlug die Regierungsgilde um Riess-Passer zurück: sie strich einfach die Segel, noch ehe Haider genüsslich die Reorganisation der Partei unter seiner Führung angehen konnte, dabei für eine gewisse Zeit eine öffentlich gedemütigte Parteiführung vor sich hertreibend. Nun steht er da mit seinem Scherbenhaufen.
Haider wird sich bald wieder etabliert haben, doch auch bei ihm, der langsam älter wird, bröckelt der Glanz allmählich. Bleibt ihm die Genugtuung, den Wolfgang Schüssel mit hinabgezogen zu haben. Doch der ist zäh: wenn es ihm gelingt, mehr Punkte zu machen als die SPÖ, kann er Kanzler bleiben - in einer Großen Koalition. Dann hätten sich die zwei Jahre ÖVP/FPÖ wenigstens für Schüssel gelohnt.
Die Menschen hatten sowieso nichts davon.
- Autor: Charly Kneffel, 13.09.2002
Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin Fr., 13.09.2002
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