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im Roten Salon


Hans-Christian Ströbele

Friedensfreund und Politiker

Hans-Christian Ströbele, gegen den Willen seiner Parteiführung wieder Abgeordneter des Deutschen Bundestages, hat nun - wie es scheint - wieder einmal einen Rückzieher gemacht in Sachen Friedensfrage. Als konsequenter Vertreter der Friedensbewegung hatte er seinen aussichtslos erscheinenden Wahlkampf angelegt und damit sowohl die Mitbewerber der SPD als auch der PDS überflügelt. Es scheint, Konsequenz in Sachen Friedensbewegung ist - zumindest in manchen Wahlkreisen der Republik, wie z.B. Kreuzberg-Friedrichshain - ein regelrechter Standortvorteil. Doch nun ist Ströbele eingeknickt. Einer Verlängerung des Mandats der Bundeswehr in Mazedonien hat er - ebenso wie sein Kollege Winnie Hermann - zugestimmt. Das hat Teile der Friedensbewegung so enttäuscht, dass sie ihn auf der großen Demo am 26. Oktober in Berlin gar nicht - oder nur mit kritischem Kommentar - reden lassen wollten. Die Rücksicht auf die Usancen der Friedensbewegung hat jetzt eine andere Lösung erzwungen.

Doch dieser Haltung liegt ein Missverständnis zugrunde. Daß Ströbele Kriege nicht mag und sie gern, zumal wenn deutsche Soldaten daran beteiligt sind, vermeiden möchte, ist sonnenklar. Doch es sind ja auch die wenigsten, die aus Begeisterung solchen Aktionen zustimmen. Übersehen hat man von Anfang an, dass Ströbele mindestens so sehr wie Friedensfreund eben auch "Politiker" ist, aufzufassen im schlechtesten Sinne. Seine Welt ist - wenn nicht der Auftritt vor Gericht - seit langem das Parlament. Das aber bringt "Zwänge" mit sich . Zumal, wenn die Kanzlermehrheit so knapp ist wie diesmal. Doch muß man sich über Ströbele wundern? Schon bei der Bundestagsabstimmung über den deutschen Afghanistan-Beitrag hatte Ströbele nur Glück, dass seine Weste sauber blieb. Denn die acht Abgeordneten der Grünen, die gegen den deutschen Kriegseinsatz waren, hatten, als der Kanzler die "Vertrauensfrage" stellte, einen Weg gefunden, wie sie ihre "Gesinnung" zeigen, aber dennoch die Regierung im Amt halten könnten. Trick 17 allemal: Vier mussten zustimmen, vier durften dagegen sein. So blieb Schröder Kanzler und Ströbele sauber. Scheinbar. Längst ist bei ihm festzustellen, dass der deutsche Kriegseinsatz und Kriege überhaupt eine Frage unter vielen ist. Afghanistan vs. Homo-Ehe oder Ökosteuer. Vielen erscheint das unglaublich, aber Ströbeles Funktion war auch schon in früheren Zeiten und bei anderen Gelegenheiten, etwa beim Projekt "Tageszeitung" ambivalent. Er blieb immer linker als die anderen, zottelte aber mit gehörigem Abstand hinterher.

Ist das das Los aller Politiker? Nicht unbedingt, aber doch fast aller. Und um sich auf Dauer anders zu verhalten. Müsste man schon ein Karl Liebknecht sein. Doch das ist Ströbele nicht, er ist eben Ströbele. Und er wird genauso links sein, wie die außerparlamentarische Bewegung ihn zwingt. Wenn man das weiß, kann man mit ihm umgehen - und ihn ertragen: wenn nötig auch auf dem Alex.

  • Autor: Charly Kneffel, 25.10.2002
    Verwertung: © Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Erstveröffentlichung: www.kalaschnikow.info
    Update: Berlin Fr., 25.10.2002