Immer der dritte Mann
Maurice Gibb, Musiker der Bee Gees, ist tot
Das kam dann doch überraschend. Gewiß, die Nachricht, daß Maurice Gibb, der "dritte" der Gibb-Brüder, die die "Bee Gees" bildeten, bei einer Darmoperation einen Herzanfall erltten hatte und es ihm schlecht ging, war schon vor Tagen über die Ticker gelaufen, aber so richtig ernst hatte das keiner genommen. Warum auch, schließlich war Gibb Jahrgang 1949 und also erst 53. Kein Alter zum Sterben, zumal wenn einer die Jahre zuvor keinerlei Anzeichen einer schweren Krankheit von sich gegeben hatte und auch am Donnerstag letzter Woche nur wegen "Bauchschmerzen" ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Doch die Krise wurde seine letzte. Am Sonntag ist Maurice Gibb im Beisein seiner Familie, darunter auch seiner beiden Brüder, in einem Krankenhaus in Miami (Florida) gestorben.
Geboren 1949 als Zwillingsbruder von Robin machte Maurice alle Höhen und Tiefen der britisch-australischen Kultband, die mindesten vier Karrieren hatte, mit. Und das war einiges. Zunächst wanderte die Familie, als die späteren "Bee Gees" (für B=Borthers und G=Gibb) noch Kinder waren, nach Australien aus, wo sie eine erste nennenswerte Karriere als Kinderstars, die auch in Fernsehshows auftraten, hatten. Sie kopierten irgendwas zwischen damaliger Popmusik - durchaus als Schlager - und den Beatles, gewöhnten sich vor allem daran, ihre Songs selbst zu schreiben und wagten es dann, Ende 1966 mit ihrem letzten australischen Hit "Spicks and Specks" nach Großbritannien zurückzukehren, wo sie unter die Fittiche des Mangers Robert Stigwood gerieten, der sie dann zu Weltstars machten und - sicher ein erwünschter und angenehmer Nebeneffekt - sich selbst gleich mit. Für eine kurze Zeit galten die Bee Gees dann als so etwas wie die Junior-Beatles. Mit "New York Mining Desaster 1941", "To love somebody", "Massachusetts", "World", "Words" und "I´ve gotta get a message to you" prasselten dann 1967/68 die Welthits auf die Fan-Gemeinde" hernieder und sorgten auf jeden Fall dafür, daß die Brüder (damals wegen des Images einer echten "Beat-Band" begleitet von den Australiern Colin Peterson und Vonce Melouney) ihren Platz in der Pop-Geschichte bekamen und immer ein volles Portemonnaie. Dann war erstmal Ebbe im Schacht. Melouney verließ die Band , Robin wollte lieber solo weitermachen - während der Aufnahmen zu Odessa verließ er die Gruppe, produzierte "Saved by the bell", die drei Rest-Bee Gees konterten mit "Don´t forget to remember", feuerten danach Peterson, machten ein Album ("Cucumber castle") zu zweit und trennten sich dann auch. Das war aber alles nichts. Barry Solo-Single floppte ebenso wie die von Maurice ("Railroad"), so kame sie wieder zu sammen. Schon da hatten die drei ihr persönliches Image weg: Barry war der Schönling, Robin der Häßliche mit der schönen Stimme und Maurice war irgendwie der dritte. Er muß der musikalischste der drei gewesen sein, denn er spielte Klavier, Bass, Schlagzeug und Keyboards, ansonsten sang er regelmäßig im Hintergrund mit, war auch sonst immer der Stille. Man gewöhnte sich an ihn, doch ein Star wurde er nur dadurch, daß er der Bruder der beiden anderen war.
Ab "Jive talkin´" un dem Albim "Main Course" (1975) begann die dritte Periode der Brüder, die erfolgreichste, als Disko-Stars. "Saturday night fever", die Filmmusik zu dem Film mit John Travolta, brachte dann alle vorher zum Teil sehr laute und telweise aggressive Kritik zum Verstummen. Die Bee Gees wurden endgültig zur Kultband, gleichrangig mit Beatles und Stones, wenn auch von ganz anderer Art. Nach einer Trennung in den 80er und einem Neuanfang Ende derselben ("ESP" - "You win again") blieben die Bee Gees zusammen, nun plätscherte die Karriere auf hohem Niveau dahin: Die Herren waren halt älter geworden.
So hätte es noch lange gehen können, doch wenn es so sein wird: Maurice ist nicht mehr dabei und ohne ihn sind auch die Bee Gees nicht mehr dieselben. Adieu.
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Autor: © Charly Kneffel, Berlin
Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Update: Berlin, 21.01.2003
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