The Death Of A Punk
Joe Strummer ist tot
Vielleicht war er mehr Punk als er selbst wahrhaben wollte: Rebellisch, verzweifelt, aber doch auch bereit, bei Gelegenheit wieder in den Schoß der gutbürgerlichen Gesellschaft zurückzukehren. Rebellion ja, aber nur für eine gewisse Zeit und ohne nennenswertes Risiko. Das ist insgesamt gesehen für die Punk-Bewegung nicht untypisch und das wiederum ist typisch für Joe Strummer (gewesen).
Joe Strummer wurde 1952 als Sohn einer britischen Diplomatenfamilie in Ankara geboren und wuchs dementsprechend gut behütet auf. Es kam aber, was oft kommt in diesen Kreisen, Strummer versuchte sich aufzulehnen und der so gut vorbreiteten bürgerlichen Laufbahn zu entkommen. Meist gelingt dies nicht, in diesem Fall aber wohl. Strummer wurde sowas wie der Frontman, nicht nur der von ihm 1977 nach dem Vorbild der ebenfalls legendären "Sex Pistols" gegründeten Band "The Clash", sondern auch der Bewegung selbst. Schon 1978 unterzeichnete die Band einen ersten Plattenvertrag, was - nicht unzutreffend - als "Ende der Punktbewegung" apostrophiert wurde. Strummer, bürgerlich eigentlich John Graham Mellor, sah das anders. Er verkündete noch mit dem für diese Bewegung so typischen Pathos, daß an dem Tag, an dem "The Clash" die Nummer 1 der Charts werden würde, in England die Zeit gekommen sei für die Revolution, aber seine Kritiker hatten mehr Recht als er.
Kommerziell sehr erfolgreich wurde die Band ja: ihr berühmtestes Stück "London Calling" wurde sogar die hymne der Bewegung und ist auch heute noch beliebt, wenn auch von den jüngeren, die das Stück hören, durchaus nicht mehr alle wissen, daß es von "The Clash" stammt. Neben diesem Stück gelang der Band noch ein vorzügliches Album und der Single-Titel "Should I Stay Or Should I Go". Doch das war´s dann. Auch wenn Bono von U2 The Clash als die bedeutendste Rock-Band aller Zeiten bezeichnete, im Grunde blieben Strummer und Co. doch weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Mitte der 80er Jahre, das genaue Datum ist wegen einigen Hin und Hers schwierig zu bestimmen, endete die Ära von The Clash. Die Band, außer Strummer noch Mick Jones, Paul Simonon und Nicky "Hopper" Headon, löste sich auf. Strummer wurde bürgerlich, due Ära des Punk war ohnehin vorbei und für ihn persönlich - doch wer wollte es ihm verdenken - nur noch eine gelegentlich heraufbeschworene Reminiszenz.
Strummer blieb im Geschäft, zunächst bei den "Pogues", einer zeitweilig recht erfolgreichen Punkt-Folk-Band, später bei den "Mescaleros". Nächstes Jahr hätte er mit Bono zusammen einen neuen Song über Nelson Mandela aufnehmen wollen. Den muß Bono jetzt allein singen. Am 23. Dezember starb Joe Strummer in seinem Farmhaus in Summerset (Westengland), vermutlich an einem Herzinfarkt. Er hinterläßt Frau und Kind.
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Autor: © Charly Kneffel, Berlin
Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Update: Berlin, 21.01.2003
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