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im Roten Salon


Er blieb immer ein Kalter Krieger

Am Freitag starb Gerhard Löwenthal

Seinen Gegnern hat er es nicht leicht gemacht, sich selbst aber auch nicht. Gerhard Löwenthal, blieb Zeit seines Lebens in der Wolle gefärbter Antikommunist, auch, als er auch seine Kampfjahre hinter sichhatte. Nun ist er tot. Gestorben am vergangenen Freitag, zwei Tage vor seinem 80. Geburtstag.

Der Abschied war Löwenthal schwergefallen und als man ihn 1987 bei Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand schickte ("zwangspensionierte", wie er sagte) und kurze Zeit später auch sein "ZDF-Magazin" absetzte, war er verbittert, denn sein dringendstes Ziel, die Wiedervereinigung Deutschlands und der Sturz der ihm so verhaßten "kommunistischen Diktatur" hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht Doch er sollte ihn noch erleben.

1922 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren, geriet er schon als Kind und Jugendlicher in die "nationalsozialistische" Herrschaftsphase. Da war es bald vorbei mit allen Karriereträumen. 1938 mußte er die Schule verlassen, konnte noch das Optikerhandwerk erlernen. Er selbst kolportierte, daß er während des Krieges in einer Werkstatt arbeiten mußte, die auch Brillen für Himmler herstellte. Weitsichtiger wurde der dadurch nicht. Seiner Verwandschaft erging es schlimm, seine Großeltern wurden in Theresienstadt ermordet, auch andere aus seiner Familie erlitten ein ähnliches Schicksal. Einen richtigen Start ins Berufsleben hatte Löwenthal erst nach dem Kriege, als er zunächst Medizin studierte, aber bald für den DIAS und dann für dessen Nachfolger RIAS als reporter arbeitete. Schon da hatte Löwenthal einen neuen Feind ausgemacht: die DDR, für deren Ende er zeitlebens arbeitete. Ab Anfang der 60er Jahre arbeitete er für das neugegründete ZDF, zunächst im Ausland (Brüssel) dann ab 1969 als Moderator mit besonderen Vollmachten beim unvergessenen "ZDF-Magazin", das er bis 1987 leitete, selten vertreten von Fritz Schenk (einem ehemaligen SED-Mitglied) und einem anderen Journalisten. In die Zeit paßte Löwenthal damals nicht. Das focht ihn nicht an. Als Willy Brandt seine neue Ostpolitik einleitete und "mehr Demokratie wagen" wollte, als die Jusos ernsthaft darüber stritten, ob Reformen nun besser "systemsprengend" oder "systemüberwindend" sein sollten, predigte er wie in den Hochzeiten des Kalten Krieges. Dabei hielt er sich immer für einen "Mann der Mitte" , gab allenfalls zu, daß die Gesellschaft etwas nach links verrutscht war. Damals gab es schöne Sprüche über ihn: "Die Milch wird sauer, das Bier wird schal, im Fernsehen spricht der Löwenthal" oder die "Gebrauchsanweisung" zu seinem Fernsehbild "Abschalten, wenn dieses Bild erscheint".

Politisch stand Löwenthal auf dem äußersten rechten Flügel der CSU, versuchte aber immer, noch rechtere Gruppierungen zu stärken, um Druck auf die CSU/CDU auszuüben. So unterstützte er den "Bund Freies Deutschland", eine kurzlebige Berliner Partei anfang der 70er Jahre und engagierte sich für die Deutschland-Stiftung, deren Vorstandsvorsitzender er längere Zeit war. Gern schrieb er auch Kommentare für diverse rechte oder rechtsbürgerliche Blätter. Sein leibstes Hobby aber war immer das ZDF-Magazin und der Kampf gegen die DDR, die sich dafür eifrig revanchierte. Bekannt seine "Hilferufe von drüben" in der über inhaftierte Ausreisewillige, "Zwangsadoptionen" und anderes berichtete. Daneben engagierte er sich immer stark für den Staat Israel, dessen antipalästinensische Politik er immer unterstützte - bis heute.

1990 engagierte er sich kurzzeitig für die DSU (Deutsche Soziale Union), die damals zu einer Art Schwesterpartei der CSU aufstieg (mit Theo Weigel als Ehrenvorsitzendem). Doch mit seinen politischen Plänen hatte Löwenthal, der vorher auch dem "Deutschland-Rat" Armin Mohlers angehört hatte, nie viel Erfolg. Nach 1990 ging es Löwenthal wie dem verkannten Propheten. Er ärgerte sich, daß er nun - nach dem Ende der DDR - nicht die Anerkennung bekam, die er seiner Meinung nach verdiente. Widerwillig mußte er einräumen, daß es auch Willy Brandts "Ostpolitik" gewesen war, die der DDR den Garaus gemacht hatte. Irrtümer gab er aber nur ungern zu. Dafür freute ihn eine Veröffentlichung von Hubertus Knabe aus dem Jahre 2001 ("Der diskrete Charme der DDR") in der er seine Meinung, viele Westjournalisten hätten in Wahrheit für die DDR gearbeitet, bestätigt fand.

Und ein weitere Trost blieb ihm, wenn es denn einer war: seinen alten Widersacher Karl-Eduard von Schnitzler hatte er überlebt.

  • Autor: © Charly Kneffel, Berlin
    Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Update: Berlin, 21.01.2003