Herren im Bad
Schröder und Stoiber im 'Duell' - das erste war, das nächst kommt am Sonntag
Wenn man sich nach diesem von den Medien aufgeblasenen TV-Duell wirklich zwischen Schröder und Stoiber entscheiden müßte, kann es nur eine Wahl geben: Jodie Foster.
In der Tat: es war grausam, und der gute Guido Westerwelle kann sich glücklich schätzen, daß es einstweilen nicht geklappt hat mit seinem Bemühen, sich per Gericht in den "Kampf der Giganten" einzuklagen. Dabei hatte sich das Duell tatsächlich, trotz aller Parteienverdrossenheit, zu einem Straßenfeger entwickelt. 44 Prozent der Bundesbürger wollten sehen, wer sie ab September/Oktober an verantwortlicher Stelle regieren würde und so hatten SAT 1 und RTL endlich einmal Einschaltquoten wie sonst bei Günter Jauch.
Nicht alles, was hier schief lief, ist den Kandidaten anzulasten. Die Verantwortlichen aus den Wahlkampfzentralen und den Fernsehanstalten hatten sich in typisch deutscher Gründlichkeit alle Mühe gegeben, in ihrem Streben nach Ausgewogenheit und Chancengleichheit alles abzutöten, was der Sendung irgendeinen Hauch von Spontaneität oder ernsthafter politischer Kontroverse hätte geben können. Das ist ihn gelungen. Es war exakt festgelegt, wem wann welche Frage vorgelegt wurde, wer wann wie lange antworten durfte und wie viele Rückfragen die reichlich drögen Moderatoren Kloeppel und Limbourg stellen durften. So schien es zeitweilig so, als wären alle so damit beschäftigt, die selbstgesetzten Regeln einzuhalten, daß der eigentliche Zweck der Übung, die politische Kontroverse, ganz in den Hintergrund geriet.
Immerhin hätte man aus den Themen mehr machen können. Die Regie hatte 9 Themenkomplexe ausgewählt, die den Kandidaten vorher bekannt waren und zu denen sie entsprechend gut präpariert Statements abließen: Glaubwürdigkeit der Politik, Flutkatastrophe, Steuerreform, Arbeitsmarkt konjunkturell, Arbeitsmarkt mit konkreten Konzepten, Zuwanderung, Außenpolitik mit Schwerpunkt Krieg gegen den Irak, Koalition (wer mit wem und warum nicht?) und last not least die Gretchenfrage: Welchen Einfluß hat ihre Ehefrau auf Sie?
Man mag darüber streiten, ob das alles ist, was Thema hätte sein können, aber andererseits hätte man daraus durchaus etwas machen können. Doch da war noch die Ausgangslage: trotz "Wahlhilfe" durch die Flut mußte Schröder, der Amtsinhaber, punkten, um den überall konstatierten Rückstand aufzuholen, während es für Stoiber eher darauf ankam, keine Fehler zu machen und Schröder ins Leere laufen zu lassen. So kam es dann auch: Schröder hatte sich ganz vom Spaßkanzler entfernt und machte einen auf verantwortungsbewußten Staatsmann, stets in Sorge um das Wohl seiner Mitbürger - fast hätte man gesagt: Untertanen - Stoiber hatte mehr Kreide gefressen, als dem Menschen gut tut und das einst so störende "Äh" konsequent ausgemerzt. Er lächelte, wackelte unentwegt mit dem Kopf (da müssen die Berater noch dran arbeiten) und zeigte sich ansonsten gut präpariert.
Dabei hatte er naturgemäß gute Karten, denn Schröder hatte sich seinerzeit mit seinem leichtfertigen Versprechen, die Arbeitslosenzahl auf 3,5 Millionen zu senken und sich "daran messen zu lassen" selbst in eine Bredouille gebracht, aus der nun , Hartz hin oder her, nicht mehr unbeschädigt herauskommt. Da konnte Stoiber genüßlich nachstoßen, ansonsten hatte Schröder schlicht das Problem, daß mit politischen Differenzen, mangels ebensolcher, nicht viel Punkte zu machen waren und Stoiber, ausgezeichnet präpariert, keine persönlichen Fehler machte.
So bekamen die gespannten (na ja) Zuseher folgendes zu sehen: Glaubwürdigkeit? Wichtig ist, daß zwischen Reden und Handeln kein Unterschied besteht. (beide) Flut? Man muß sich zeigen, das ist wichtig um Solidarität zu zeigen und sich ein Bild zu machen. (beide) Minuspunkt für Stoiber allerdings, daß niemand im "Kompetenzteam" für den Bereich Umweltschutz zuständig ist. Aber: "Umweltschutz ist eine zeitlose Daueraufgabe". Guter Versuch, aber im Ergebnis schwach. Arbeitsmarkt - Steuerreform? Aussetzung der Steuerreform war richtig, weil jetzt die Flutopfer Priorität haben (Schröder) Nein, war falsch, weil das die Konjunktur abwürgt. (Stoiber) Aber keine große Konfrontation, das wäre Stoiber angesichts der Betroffenheit auch übel bekommen, Kanzler im Vorteil.
Arbeitsmarkt - Hartz? Fördern und Fordern, Druck auf Arbeitslose, vor allem schnellere Vermittlung, aber keine Wunder erwarten (Schröder) Binnenmarkt stärken, mehr in den Konsum stecken, vor allem: Mittelstand entlasten (Stoiber) Zuwanderung? Steuern und Begrenzen (Schröder) Wir haben eh schon Zuwanderer genug aus Osteuropa zu erwarten, deshalb, Gesetz novellieren (Stoiber) Irak? Militärschlag ist falsch (Schröder) Man muß sich alle Optionen offen halten, damit es nicht zum Krieg kommt, Irak soll Inspektoren zulassen. (Stoiber). Militärisch eingreifen wollen sie beide nicht, werden sie wohl auch mangels Anforderung aus den USA nicht müssen, aber wie vermeidet man die Konfrontation mit der eigenen Bevölkerung und verhindert es, vom Irak selbst als kriegführend angesehen zu werden mit allen möglichen Konsequenzen ohne andererseits die USA zu verprellen? Beide Herren sind sich in der Sache durchaus einig. Koalition? Nie mit der PDS (Schröder), Glaub ich Ihnen nicht (Stoiber).
Überflüssig zu erwähnen, daß beide Gattinnen moderne Frauen sind, aber nicht zur Wahl stehen, gleichwohl sich sozial sehr engagieren.
Das wird die Wahlentscheidungen der Menschen "draußen im Lande" sicher sehr erleichtern.
Die eigentliche Krux des Ganzen ist natürlich, daß angesichts der real nicht vorhandenen Alternativen letztlich nur die persönlichen Eigenschaften der Kandidaten wirklich ausschlaggebend sind. Auf dem Gebiet war Stoiber deshalb besser, weil er Schröder keine Angriffsfläche geboten hat. Aber sonst war das Ganze, das uns jetzt in zwei Wochen noch mal von ARD (Sabine Christiansen) und ZDF (Maybritt Illner) präsentiert werden wird, wenig erhellend und auch wenig unterhaltsam. Und wer wirklich nicht weiß, was nun: Jodie Foster.
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Autor: © Charly Kneffel, Berlin
Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Update: Berlin, 21.01.2003
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