Zwischen Komik und Zynismus
Am 19. August 1977 starb Groucho Marx
"Ich würde nie einem Klub beitreten, der jemanden wie mich als Mitglied akzeptieren würde." Groucho Marx
Er war der jüngste der Marx-Brothers, womit man heute im allgemeinen das Trio der Groucho, Chico, und Harpo Marx meint. Ursprünglich war die Komikertruppe noch etwas umfassender: Zeppo Marx ist noch in vielen Filmen bis in die 30er Jahre zu sehen, in den 20ern auch noch Gummo. Aber letztere beiden fanden nie so ein unverwechselbares Image, das die eigentliche Stärke der Slapstick-Genies ausmacht. Groucho, eigentlich Julius Henry Marx, am 19. August 1890 in New York City geboren, was zweifellos der Ober-"Marxist", obwohl der jüngste der Gilde . Es war sein Witz, seine Ideen und vor allem die Figur, die er zu seinem Alter-Ego gemacht hatte wie seinerzeit Charlie Chaplin den sprichwörtlichen Tramp. Chico machte einen auf italienischen Einwanderer, der seinen Akzent weder loswerden konnte noch wollte, Harpo war der, der nicht spricht.
Dabei sagte er womöglich am meisten. Sie waren alle unverkennbar, Harpo mit seiner Lockenperücke, der Harfe (die umfangreichen Musikeinlagen gehörten immer zu den Filmen der Brüder, wenn sie auch vor allem dem heutigen Betrachter nicht mehr recht eingängig sind), Chico mit seinem - tja, was war das eigentlich? - merkwürdigen Hut und dann Groucho, der Intellektuelle mit dem sarkastischen Witz und den Anekdoten von bleibendem Wert. Da blieb auf Dauer kein rechter Platz für Zeppo, der noch in den frühen 30er Jahren als SunnyBoy und Herzensbrecher eine Rolle zu finden versuchte und erst recht nicht für Gummo. Nacherzählen kann man das nicht und das Fatale ist überhaupt, daß die Filme, die man von Zeit zu Zeit im Deutschen Fernsehen und gelegentlich in Programmkinos sehen kann, den Humor der am Ende übriggebliebenen Dreiergilde nicht mühelos transportieren können, auch wenn die Sychronisationen in der Regel liebevoll gemacht sind. Unvergessen seine FilmHighlights, vor allem die Casablanca-Parodie "Eine Nacht in Casablanca" 1946 entstanden, als man immerhin schon wußte, werden Krieg gewonnen hatte.
Wie schwer muß es den Marx-Brothers - die von deutschsprachigen Juden aus dem Elsaß abstammten, die zwei Generationen vorher in die Neue Welt eingewandert waren - gefallen sein, in der Abschlußsequenz, als sie im Flugzeug zwei Nazis, die eigentlich die Maschine fliegen sollten, niedergeschlagen hatten, aber andererseits eben doch zum Fliegen noch gebraucht wurden, mit der Bemerkung "Und so was nennt sich nun Herrenrasse" abzufertigen. Und überhaupt, Sig Rumann, der Darsteller des Nazi-Bonzen "Heinrich Stubel" in eben diesem Film, aber schon früher immer wieder in kleineren Rollen der Marx-Brothers zu sehen, war selbst einer der deutschen Schauspieler, die 1933 das auf 1000 Jahre angelegte Reich aus politischen Gründen verlassen hatten (wie übrigens Conrad Veidt, der in "Casablanca" ausgerechnet den Major Strasser zu spielen hatte). 1949 drehten die MarxBrothers ihren letzten Kinofilm "Love Happy", die Geschichte einer finanziell bankrotten Revue-Truppe, die durch Zufall in die Ränke um die gestohlenen "Romanow Diamonds" gerät und schließlich ein Happy End feiern kann. Hier hat auch Marilyn Monroe einen ihrer ersten Filmauftritte.
In den 50er Jahren hatten sich die MarxBrothers auf ein anderes Medium verlegt: das Fernsehen. Hier drehten sie die Serie "You bet your life". Doch spätestens als 1964 Harpo starb (nicht ohne vorher noch eine Art Memoiren mit dem bemerkenswerten Titel "Harpo spricht" verfaßt zu haben), war es dann aus mit der großen Karriere der Brüder. Groucho Marx, der letzte der Brüder, heimste dann in den 70er Jahren noch einige Ehrungen ein. Er starb schließlich am 19. August 1977 in Los Angeles an Lungenentzündung.
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Autor: © Charly Kneffel, Berlin
Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Erstveröffentlichung: internationale Internet-Zeitung Kalaschnikow-Online
Quelle: www.kalaschnikow.info
Update: Berlin, 21.01.2003
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