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im Roten Salon


Ein trauriger Haufen

Die USA besichtigt ihr neues Personal für den Irak

Wenn die Leute, die da am Wochenende in Washington Regierungsvertretern der USA ihre Aufwartung machten, die Zukunft des Irak repräsentieren sollten, kann man den Menschen im Irak nur viel Glück wünschen. Und auch die Vertreter der US-Behörden werden nicht gerade viel Freude gehabt haben bei der Inspizierung dieser merkwürdigen Crew, die demnächst Führungsaufgaben im Zweistromland wahrnehmen sollen.

Es waren insgesamt Vertreter von sechs oppositionellen Gruppen, die die weite Reise gemacht hatten , darunter allerdings zwei Vertreter der kurdischen Separatisten, die schon seit langem ein de facto autonomes Gebiet im Nordirak kontrollieren, ein Gebiet, in dem sich auch Tausende von Agenten des US-Auslandsgeheimdienstes CIA tummeln. Seit neuem allerdings auch mindestens 1 000 Mann türkisches Militär, das wohl neben der offiziellen Aufgabe, ein Wiedereinrücken irakischer Truppen zu verhindern, wohl vor allem verhindern soll, daß im Nordirak ein unabhängiger Kurdenstaat entsteht, der ein "böses Omen" sein könnte für entsprechende Bemühungen der Kurden in der Türkei. Sicher ist diese ernsthafte Drohung auch der Hauptgrund für das türkische Engagement in der Region. Schließlich ist die Türkei - abgesehen von Israel, das bereits im Falle eines irakischen Angriffs einen militärischen Gegenschlag angekündigt hat - das einzige Land in der Region, dem wohl eine aktive militärische Unterstützung der USA zuzutrauen ist.

Doch so sehr den kurdischen Separatisten um die seit mehreren Generationen im Aufstand befindlichen Sippen der Talebani und Barsani der Saddam-Irak verhaßt ist, so sehr mißtrauen sie sich auch gegenseitig und den anderen Oppositionsgruppen. Deren Identität ist auch höchst zweifelhaft, denn das Hauptquartier der schiitischen Opposition befindet sich auch nicht zufällig in Teheran, wo es eine enge ideologische Verbindung mit dem Regime der Ayatollahs gibt. Dieses wiederum sieht sich nicht ohne Grund als nächstes auf der amerikanischen Abschußliste und ist dementsprechend zurückhaltend. Dann gibt es noch eine Gruppe mit dem hochtrabenden Namen "Irakischer Nationalkongreß",", welcher seine Sitzungen aufgrund zeitweiliger Schwierigkeiten zur Zeit in London abhalten muß. Der Sprecher dieses "breiten" Oppositionsblocks hat immerhin eine Art natürlichen Anspruch auf eine aktive Regierungstätigkeit, ist er doch ein Angehöriger der 1958 im Irak gestürzten Haschemiten-Dynastie, deren jordanischer Zweig jetzt noch in Amman regiert. Merkwürdig auch der Haufen , der sich "Militärallianz" nennt, fast ausnahmslos ehemalige Angehörige der irakischen Armee, die z.T. noch im zweiten Golfkrieg aktive Offiziere Saddam Husseins gewesen sind, teilweise beteiligt an der militärischen Besetzung Kuwaits 1990.

Wenn diese Gruppen überhaupt irgend etwas eint, dann die gemeinsame Gegnerschaft zu Saddam Hussein und vor allem der "sanfte" Druck der USA, für deren politische Ambitionen eine vorzeigbare innerirakische Opposition schon eine gewisse Legitimierung darstellen würde.

Doch was diesen Leuten an innerirakischer Verankerung fehlen mag und auch an politischem Format, gleichen sie mühelos durch eine beachtlich große Klappe und allerlei Schaumschlägereien aus. So wußte Scharif Ali Bin al-Hussein der interessierten Öffentlichkeit mitzuteilen, daß im Irak Armee, Polizei und selbst die Republikanische Garde jederzeit bereit seien, sich gegen Saddam zu erheben und kaum noch jemand bereit sei, sich für Saddam zu schlagen. Die Amerikaner würden in Bagdad als "Befreier" begrüßt werden und er selbst sei bereit, die seit 1958 verwaiste Krone wieder aufzusetzen. Das beruhigt alles sehr. Man fragt sich allerdings, wieso unter diesen Umständen die USA überhaupt noch selbst eingreifen müssen.

Ganz glücklich scheinen auch die Regierungsvertreter der USA mit ihrem neuen Leitungspersonal nicht zu sein, obwohl sich immerhin Vizepräsident Cheney per telefonischer Zuschaltung und Verteidigungsminister Rumsfeld gar persönlich für Gespräche zur Verfügung stellten. Man hat halt keine anderen. Doch viel Einfluß werden die mittelmäßigen Schranzen der Opposition nicht haben. Die USA müssen realistischerweise mit erheblichen Verlusten rechnen und werden die Früchte des Sieges kaum diesem viertklassigen Personal in die Hand geben. Vielleicht braucht man sie mal für repräsentative Aufgaben. Ganz schlüssig scheint sich die US-Regierung diesbezüglich noch nicht zu sein. Braucht sie allerdings auch nicht, denn z.Zt. dürfte sie noch andere Sorgen haben.

So bildete das Ganze eine merkwürdige Szenerie: jeder mißtraut und belauert jeden, vor allem auch die US-Regierung. Denn das zumindest haben die etwas intelligenteren Oppositionspolitiker schon begriffen. Sie werden - vielleicht abgesehen von den Kurden - kaum die Rolle der afghanischen Nord-Allianz spielen können. Mangels Potential.

Das wird man sie schon bald spüren lassen.

  • Autor: © Charly Kneffel, Berlin
    Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Update: Berlin, 21.01.2003