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im Roten Salon


Candidates´ Debate

Bundeskanzler Gerhard Schröder und sein Herausforderer Edmund Stoiber streiten sich im Fernsehen

Das Leben wird immer amerikanischer. Nach dem Vorbild der US-amerikanischen Candidates´ debate werden sich nun auch die beiden Kanzlerkandidaten im deutschen Fernsehen ein Streitgespräch liefern. Darauf einigten sich am Mittwoch Vertreter der Wahlkampfteams beider Kandidaten sowie Vertreter der diversen Fernsehanstalten.

Die Candidates´ debate ist in den USA mittlerweile zu einer festen Institution geworden. Erstmalig wurde sie 1960 durchgeführt, als ein jugendlich wirkender und mit einer, für die damalige Zeit beeindruckende, Haarfülle ausgestatteter John F. Kennedy den Republikaner Richard M. Nixon, dessen Ausstrahlung es schon damals nicht angeraten sein ließ, von ihm einen Gebrauchtwagen zu kaufen, eindeutig ausstach.

Berühmt wurde auch die Debatte des Jahres 1980, als der ehemalige Schauspieler Ronald Reagan, vom Moderator gefragt, ob es sich "in seinem Alter" noch fit fühle für das Amt des Präsidenten, antwortete: "Ich habe nicht die Absicht, die Jugend und Unerfahrenheit meines Konkurrenten für politische Zwecke auszunutzen...!" Sein Gegenkandidat, Carter´s damaliger Vizepräsident Walter Mondale, erklärte später, von diesem Augenblick an habe er gewußt, daß die Sache entschieden sei.

Das also nun auch im deutschen Fernsehen. Am 25. August und am 8. September werden sich die beiden Kandidaten also gegenüberstehen: Beim ersten Termin bei den privaten Anstalten SAT 1 und RTL, am 8. September in ARD und ZDF, die die Debatte zeitgleich übertragen wollen. Als Moderatorinnen haben die öffentlich-rechtlichen Anstalten Sabine Christiansen und Maybritt Illner ausgeguckt. Erstere gilt als "eher rechts", letztere als "eher links". Vor allem, weil sie früher einmal SED-Mitglied gewesen ist, aber es stimmt auch: verglichen mit Frau Christiansen ist sie wirklich die linkere Variante. Die Privaten haben Peter Kloeppel, Chefchsprecher der RTL-Nachrichten, und Peter Limbourg, einer der beiden Chefredakteure des Nachrichtenkanals N24, ausersehen.

Gewertet werden soll das ganze nicht als "Showduell" sondern als "Informationsveranstaltung für die Zuschauer" und als "Gewinn für die politische Informationskultur des Landes". Das freut denn doch sehr. Zumal bereits in den Verhandlungen wichtige politische Fragen behandelt werden mußten, zum Beispiel: soll die Debatte im Stehen oder im Sitzen abgehandelt werden? Das ist wichtig, da die Natur es so gefügt hat, daß Stoiber mehr ein hagerer langer und Schröder mehr ein gedrungener Typ ist, vor allem etwas kürzer. Das kommt nicht gut. Sicher wird auch die leidige Frage nach Schröders Haaren bis dahin endgültig geklärt werden müssen.

Echt sauer ist allerdings Guido Westerwelle. Die Sendeanstalten hatten vorher durch ein Gutachten abklären lassen, daß sich die FDP nicht in dieses Gespräch würde einklagen können. RTL-Chef Mahr bot allerdings an, Westerwelle gegen Joschka Fischer antreten zu lassen. Trostrunde - Zweite Liga. Jetzt rächt es sich, daß die FDP keinen Kanzlerkandidaten aufgestellt hat. Dann wäre sie im Fernsehen: allerdings nur der Möllemann.

  • Autor: © Charly Kneffel, Berlin
    Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Update: Berlin, 21.01.2003