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im Roten Salon


Das MfS aus eigener Sicht

Zur Präsentation des Buches 'Die Sicherheit' durch den Förderverein 'Rotfuchs'

Wer ein Faible hat für dicke Wälzer, kommt mit diesem Buch voll auf seine Kosten: Es heißt "Die Sicherheit" und behandelt die Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit" bzw. des kurzlebigen "Amtes für Nationale Sicherheit" aus seiner eigenen Sicht. Geschrieben haben es 20 Autoren unter der Herausgeberschaft von Grimmer, Irmler, Opitz und Schwanitz, ausnahmslos ehemalige leitende Mitarbeiter dieses Ministeriums.

Und es ist ein sehr ausführliches Buch. Auf immerhin fast 1300 Seiten in zwei Bänden behandeln die Autoren so ziemlich alle Aspekte, die für die Arbeit der DDR-Sicherheit bestimmend waren: das Verhältnis zur SED, die Zusammenarbeit mit den besonders umstrittenen "Inoffiziellen Mitarbeitern", die Spionageabwehr (HVA unter Markus Wolf und später Werner Großmann) , die Bekämpfung des Menschenhandels und der Abwerbung oder etwa die Arbeit der Juristischen Hochschule des MfS in Potsdam.

Der Förderverein der marxistisch-leninistischen Kleinzeitung "Rotfuchs" hatte am Abend des 22. April (Lenins 132. Geburtstag) zu einer Bildungsveranstaltung geladen, in der die Autoren, namentlich Wolfgang Schwanitz und Reinhard Grimmer, das Buch vorstellten. Schwanitz und Grimmer führten dabei in halbstündigen Vorträgen in den Inhalt an, was auch notwendig war, denn kaum einer der etwa 140 anwesenden Personen hatte zu diesem frühen Zeitpunkt bereits Gelegenheit gehabt, das Buch, das erst Anfang April erschienen ist, gründlich zu lesen, was sowohl bei dem Umfang als auch der zum Teil etwas langatmigen Darstellungsweise der Autoren nötig gewesen wäre, um, wie vom Veranstalter eigentlich gewünscht, eine inhaltliche Diskussion zu führen.

Peinlicherweise war auch zu dieser Präsentation das Buch nicht präsent. Die erste Auflage, nach Angaben des Verlages etwa 4000 Stück, sei bereits vergriffen, die zweite noch im Druck. Hier wäre ein besseres Timing nötig gewesen.

Geschrieben nach Angaben des Herausgebers Schwanitz, um "zu einem objektiven Bild über die Arbeit des MfS beizutragen. Was hat die Arbeit motiviert? Welche Ergebnisse hat sie gebracht? Welche Fehler wurden gemacht?..." war doch, wie bei den Herausgebern und dem Veranstalter natürlich auch zu erwarten war, das prinzipiell parteiliche Herangehen deutlich spürbar. Schwanitz machte es gleich in seinem Einleitungsvortrag klar: Wir sind prinzipiell solidarisch mit den ehemaligen Mitarbeitern des MfS, aber auch mit den IM".

Also eine Kampfschrift, die der in der deutschen Öffentlichkeit vorherrschenden Meinungsmache, nicht nur der Gauck/Birthler-Behörde, entgegentreten soll. Und so etwas ist heute natürlich immer noch ein Politikum ersten Ranges. So mußte Klaus Steiniger, Sprecher des Veranstalters, auch vor Beginn der Veranstaltung darauf hinweisen , daß einige Medien, insbesondere Kameras, zu der Veranstaltung nicht zugelassen seien, da man Hinweise darauf habe, daß eine Inszenierung, mit bekannten "hauptberuflichen Antikommunisten als Darstellern" geplant sei. Auch ohne Fernsehkameras war hinterher ein bißchen davon zu spüren, als zwei Diskussionsteilnehmer, die sich als "Zeitzeugen" präsentierten und Insassen der Haftanstalt Hohenschönhausen gewesen waren, als Kronzeugen gegen die anwesenden MfS-Mitarbeiter auftraten und der Veranstaltung eine andere Richtung zu geben versuchten.

Es blieb jedoch, auch wegen der doch recht einmütigen Grundhaltung der Anwesenden, bei einer kleineren Episode.

Leider litt die anschließende Diskussion doch sehr darunter, daß das Buch selbst den Teilnehmern weitgehend unbekannt war und so nur sehr allgemein bzw. gestützt auf das Insiderwissen zahlreicher Anwesender zu führen war, was die Erwartungen der weniger einschlägig informierten Gäste natürlich unbefriedigt lassen mußte.

Aber dagegen hilft am Ende nur eines: selber lesen!

  • Autor: © Charly Kneffel, Berlin
    Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Update: Berlin, 21.01.2003