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im Roten Salon


Ende eines Kriegsherren

Zum Tode von Jonas Savimbi, Chef der Unita-Rebellen im bürgerkriegsgeschüttelten Angola

Nachrichten aus Afrika sind natürlich immer mit Vorsicht zu genießen, aber in diesem Falle ist sie wohl wahr: Jonas Savimbi ist tot. Zum Beweis hat die angolanische Regierung seine Leiche in Luanda zur Schau gestellt, und das Volk, zumindest die anwesende Clique, machte Freudentänze. Natürlich kann man so etwas auch inszenieren, aber in diesem Fall dürfte die Freude auch echt gewesen sein. Zwar hatte Savimbi in Luanda, der Hauptstadt des Landes, nie viele Freunde, aber auch sonst dürfte am Ende doch die Erleichterung vorgeherrscht haben. Jonas Savimbi war am Ende seines Weges angelangt, zum Schluß nur noch ein Störenfried, der den aussichtslos gewordenen Bürgerkrieg, der das an sich reiche Land seit 27 Jahren verheert, verlängerte.

Ein solches Ende war Jonas Savimbi nicht in die Wiege gelegt worden. Geboren 1934 als Sohn eines evangelischen Predigers, hatte er studiert: in Portugal Medizin, in Lausanne Politische Wissenschaften. Er wurde Dr. phil. und die Legende sagt, daß er ungeheuer gebildet gewesen sein soll: zumindest sprach er mehrere Fremdsprachen, Portugiesisch, die Sprache der Kolonialherren seines Landes, aber auch Französisch und Englisch fließend, einige andere Sprachen verstand er, zumindest teilweise.

Im Jahre 1966 trat Savimbi erstmals groß politisch in Erscheinung , als er eine Organisation namens UNITA gründete, die eine Befreiungsbewegung gewesen sein soll und zumindest nebenbei auch gegen die Portugiesen kämpfte. Den wesentlichen Anteil an diesem Kampf trug seine Organisation aber nicht, der blieb der alteingesessenen "offiziellen" MPLA vorbehalten, daneben gab es noch die FNLA, eine dubiose, früh schon von der CIA ausgehaltene "prowestliche" Guerilla-Truppe, die aber im wesentlichen gegen die MPLA kämpfte und, gestützt auf beträchtliche Finanzquellen aus den USA und Südafrika, damals noch das Apartheid-Regime, zeitweise der MPLA einige Schwierigkeiten bereitete. Auch Savimbi, dessen UNITA immerhin über eine stabile Stammesbasis im Süden des Landes (Ovamboland) verfügte, geriet, ohne nennenswerten Widerstand, in die Gemengelage des Kalten Krieges. Zeitweise galt auch er als Marionette der USA. Das war wohl übertrieben, Savimbi blieb im wesentlichen ein Kämpfer auf eigene Faust, der sich skrupellos die Unterstützung da holte, wo er sie kriegen konnte. In der VR China Maos ließ er sich zum Guerillero ausbilden und gab sich einige Jahre recht radikal, direkt maoistisch. Das paßte gut in die Zeit. Doch 1974 brach der portugiesische Kolonialismus zusammen und die Kolonien wurden frei. Damit begann der Kampf um die Macht im Land und während die MPLA zunächst auf das Gebiet um die Hauptstadt Luanda zusammengedrängt wurde, konnte Savimbi mehr als die Hälfte des Landes unter Kontrolle bringen. Aber nicht lange: als erstes brach die FNLA des CIA-Agenten Holden Roberto, die ihre Basis im Zaire des Präsidenten Mobutu hatte, zusammen. Kubanische "Freiwillige", dazu die Unterstützung der UdSSR halfen der Organisation des Agostinho Neto, die ohnehin über die massive Unterstützung der Bevölkerung des Landes verfügte und bald stand Savimbi mit seinen Ovambo-Kriegern allein. Zwar ließ sich das rassistische Südafrika zu einer direkten militärischen Intervention verleiten, aber dieser Einsatz schadete politisch mehr, als er militärisch nützte. Südafrika zog sich zurück und die UNITA wurde im offenen Kampf geschlagen.

Doch als Guerillero-Truppe konnte sie sich halten und ab 1985 nutzte die Reagan-Administration den Verein auch für die übliche Destabilisierungspolitik. Nicht ohne Erfolg, aber um welchen Preis. Das geschundene Land kam nicht zur Ruhe und Angola, eigentlich mit Diamanten, Rohöl und anderen Rohstoffen gesegnet und prädestiniert für einen raschen Aufschwung, versank im Chaos eines Bürgerkrieges, den keiner gewinnen konnte. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR und dem Ende des Kalten Krieges verloren die ausländischen Interventen allmählich das Interesse an ihrem nützlichen Idioten. 1993 stellte die Clinton-Administration die Unterstützung ein: zuvor hatte sie versucht, ihren lästig gewordenen Ex-Verbündeten in das angolanische System einzubinden, denn die siegreiche MPLA hatte die Zeichen der Zeit erkannt und mutierte unter dem neuen Präsidenten Eduardo dos Santos zu einer neoliberalen "sozialdemokratischen" (oder was man so dafür hält) Organisation. Savimbis UNITA wurde zur politischen Partei und Savimbi selbst kandidierte für das Amt des Präsidenten. Er unterlag gegen dos Santos, behauptete aber, die Wahl sei manipuliert worden. Ganz auszuschließen ist nicht, daß er damit recht hatte: Afrika ist ein weites Land. Bewiesen wurde es aber auch nicht und Savimbi griff wieder zu den Waffen. Doch war er jetzt kein Bauer im großen Spiel mehr, sondern nur noch ein Desparado. Ökonomisch wurde er boykottiert, ging trotzdem nicht pleite, sondern finanzierte seines immer mehr landsknechtsähnlich organisierten Haufen weiter durch Schmuggel und ähnlich "saubere Geschäfte". Mag sein, daß das ortsüblich war, aber jetzt war niemand mehr da, der das Ganze politisch überhöht hätte.

Am Ende war Jonas Savimbi ein Banditenführer, nachdem alle Versuche, ihn doch noch irgendwie friedlich zu integrieren, gescheitert waren. Zuletzt hatte noch Nelson Mandela eine Initiative ergriffen. Sie hätte die UNITA als politische Partei in das Leben Angolas integriert und Savimbi und seiner Entourage einen ehrenvollen Sitz im Exil beschert. Doch das war nicht nach Savimbis Geschmack. Er kämpfte weiter und verlor Zug um Zug seines Basis.

Letzten Freitag geriet Savimbi in einen Hinterhalt der angolanischen Armee. 15 Kugeln sollen seinen Körper durchsiebt haben. Auf die Nachricht hin tanzte das Volk auf den Straßen.

  • Autor: © Charly Kneffel, Berlin
    Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
    Quelle: www.roter-salon.info
    Update: Berlin, 21.01.2003