100 Jahre Teddybär
Ein Geburtstag der etwas anderen Art
Doch, doch: das ist jetzt auch schon wieder 100 Jahre her, seit es den Teddybär unter diesem Namen gibt. So ganz genau geklärt ist freilich nicht, wie das immer noch so beliebte Kinderspielzeug mit dem Aussehen eines Koalabärs in dieser Kombination entstanden ist, aber zumindest die Ursprünge des Kosenamens "Teddy" sind bekannt und auch sein genaues Geburtsdatum: der 16.11.1902.
An diesem Tag erschien nämlich in der Washington Post eine kleine Karikatur, die drei Personen zeigt: den damaligen US-Präsidenten Theodore Roosevelt, einen Mann unbekannten Namens und einen jungen Bären - Marke Grizzly? - an einer Leine. Die Hintergrund Geschichte ist schnell erzählt. Präsident Roosevelt, ein vierschrötiger Haudegen (schön karikiert in "Arsen und Spitzenhäubchen"), dem wir aber u.a. die Einrichtung der Nationalparks verdanken war auf Bärenjagd im Mississippi Gebiet, blieb aber, trotz massivem Einsatz von Treibern, erfolglos. Schließlich gaben die Treiber auf und führten einen jungen Grizzly, den sie in der Gegend aufgetan hatten, an einer Leine herbei und banden ihn an einem Baum fest, damit der Präsident ihn schießen möge und auf diese Weise doch zu seiner Trophäe käme. Grundlos war die Vermutung, der Präsident könne sich auf so etwas einlassen, durchaus nicht, denn sehr viel anders waren viele der unzähligen Bilder, auf die der Präsident neben seiner Jagdbeute posierte, auch nicht zustande gekommen. Präsident Roosevelt verstand sich ohnehin recht gut auf die Kunst des - bisweilen recht dreisten - Bluffs. Aber einen jungen angebundenen Bären zu schießen, war denn doch nicht seine Art. Vielleicht wäre ja auch nur die Trophäe zu dürftig gewesen. Immerhin: auch so bot die Geschichte eine hübsche Story: sie zeigte den Präsidenten einmal von einer sozusagen menschlichen Seite. Für das Image jedenfalls nicht schlecht und die Presse war gerührt oder gab es jedenfalls vor. Der Bär wurde jetzt auf Jahre zu einem ständigen Begleiter des Präsidenten auf Karikaturen über diesen. Und er bekam auch gleich dessen Namen: eben Teddy. Längst ist der Bär bekannter als der Präsident, dessen Nachnamen heute eher mit seinem Cousin Franklin Delano, dem Präsidenten des 2. Weltkrieges, in Verbindung gebracht wird. Ein durchaus gerechtes Schicksal.
Was aus dem jungen Bären geworden ist, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich ist er in irgendeinem Zoo gelandet. Der Teddy wurde nur in der Karikatur zum ständigen Begleiter des Präsidenten. Der andere Teil der Geschichte ist, wie wurde aus dieser, eher literarischen Figur, ein beliebtes Kindespielzeug? Das ist nicht ganz klar. Es gibt einige Versionen, sicher ist dabei nur, daß es etwas mit der Geschichte vom Präsidenten und dem Bären zu tun hat. Und es wurde das erste Spielzeug der deutschen Spielwarenproduzentin Steiff, die damals begonnen hatte, ihren Spielzeugkonzern aufzubauen, der bis heute (Steiff:Knopf im Ohr) zur Erfolgsmarke geworden ist.
So wurde ausgerechnet der imperialistische Kraftprotz Theodore Roosevelt als Kinderspielzeug unsterblich. Manchmal macht die Geschichte hübsche Späße.
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Autor: © Charly Kneffel, Berlin
Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
Quelle: www.roter-salon.info
Update: Berlin, 21.01.2003
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