Zwischen Conan und Terminator
Arnold Schwarzenegger wird Gouverneur von California
Ein Hauch von Deja Vu: Schließlich ist Arnold Schwarzenegger nicht der erste Schauspieler, der es zum Gouverneur von Kalifornien gebracht hat. Auch die Bezeichnung „B-Schauspieler“ trifft ihn wohl nicht zu unrecht. Vorgemacht hatte ihm seinen Karrieresprung in den 60er Jahren Ronald Reagan, dem diese Position zu einem Sprungbrett zum US-Präsidenten wurde. Das ist Schwarzenegger bislang verwehrt. Die US-Verfassung verlangt von Präsidenten, dass sie in den USA geboren sein müssen. Doch Parteifreunde Schwarzeneggers arbeiten bereits daran, die Verfassung entsprechend zu ändern. Man sollte also vorerst froh sein: Es könnte schlimmer kommen.
Außenstehende Beobachter hatten das – trotz eindeutiger Umfrageergebnisse – bis zuletzt nicht wahrhaben wollen. Schwarzenegger wurde, wie in Amerika (aber nicht nur dort) üblich, nach allen Regeln der Kunst lächerlich gemacht. Man warf ihm seinen steirischen Akzent vor, zuletzt eine angebliche Verherrlichung Hitlers, allerlei Grabschereien gegenüber Frauen (zuletzt hatten sich 16 Frauen mit solchen Vorwürfen gemeldet), kein klares Programm und schließlich Inkompetenz. Letzteres dürfte allerdings der einzig politisch relevante Vorwurf gewesen sein, denn in der Tat behauptete nicht einmal Schwarzenegger selbst, etwas von Haushaltsfragen besonders viel zu verstehen. Das schadete ihm aber kaum, zumindest schlugen sich entsprechende Stimmungen nicht im Wahlergebnis – er erhielt 48 Prozent – nieder. Kein Wunder: Erstens unterschied er sich damit nicht wesentlich von seinen 130 Mitbewerbern, zweitens wird Politik in den USA ohnehin immer mehr zu einem Teil des Showgeschäfts, und drittens hat Schwarzenegger das, was man als erfolgreicher Politiker in den USA braucht: Verbindungen zur Elite, zur Wirtschaft und ein klares Profil. Letzteres hat „Arnie“: er steht für die weitverbreitete Stimmung, das man jetzt zu den alten Werten , die „Amerika groß gemacht“ hätten, stehen muß und das Schluß sein müsse mit dem ganzen Sozialklimbim, der Bevorzugung von Minderheiten, kurzum von allem „Unamerikanischen“. Dafür steht der Einwanderer Schwarzenegger nun besser als jeder andere. Seine Sprüche: „Mit absolut Nichts bin ich hier angekommen, absolut Alles verdanke ich meiner Wahlheimat“ oder „Wir können Kalifornien zum großartigsten Staat im besten Land der Welt machen“ gehen runter wie Öl. Schwarzenegger verkörpert auch den Schulterschluß zwischen den beiden Hauptlagern der herrschenden Elite. Er war schon als Anhänger der Republikaner bekannt, etwa zur Zeit Ronald Reagans, als in der intellektuellen und künstlerischen Elite der USA noch die Demokraten absolut chic waren. Verheiratet wiederum ist er mit Maria Shriver, Tochter Sargent Shrivers, der einst unter George McGovern Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten der USA war, als Richard Nixon in Watergate einbrechen ließ. Mutter Eunice ist die Schwester der berühmten Kennedy-Brüder John F., Robert und Edward, alte Ostküsten-Elite. Das ist in den USA, wo die Wähler im Grunde immer verschiedene Mitglieder derselben aristokratischen Clique in die führenden Ämter wählen, von enormer Bedeutung. Politisch steht Schwarzenegger für das ungeschminkte Programm des konservativ-„amerikanisch“ verbrämten Neoliberalismus. Er will die Steuern senken, die Sozialausgaben kürzen, die Schulden abbauen, Bush unterstützen und dabei gleichzeitig populär bleiben. Es wäre ein Leichtes, die Unmöglichkeit dieser Quadratur des Zirkels nachzuweisen. Jetzt will „Arnie“ den demnächst zu Besuch kommenden Präsidenten Bush um eine kleine Finanzspritze angehen. Da wird er einen schweren Stand haben. Denn so gern Bush sich angesichts der kommenden Wahlen im Glanze der Siege seiner „Parteifreunde“ (das Wort ist im amerikanischen Englisch ähnlich bedeutungsschwer wie im Deutschen) sonnt, so sehr er gerne Spenden für seine Kampagne eintreiben möchte, so knickerig wird er, wenn´s um Cash geht. Das liegt nicht an seinem Charakter, sondern an der politischen Prioritäten.
Dennoch besteht die Gefahr, dass sich Schwarzenegger noch längere Zeit seiner Popularität erfreuen kann. Denn Enttäuschung über Politiker kommt in den USA nur zum Teil der „Opposition“ zugute, sondern äußert sich in Apathie und Rückzug. Kein Wunder, denn die Alternativen in den Staaten laufen auf die Auswahl zwischen Rechts, Ganz rechts und Extrem hinaus. Zumindest im bestehenden System und das steht einstweilen fest.
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Autor: © Charly Kneffel, Berlin
Verwertung: Philosophischer Salon e.V., Berlin
www.philosophischersalon.de
Erstveröffentlichung: Kalaschnikow-Online
www.kalaschnikow.net
Quelle: www.roter-salon.info
Update: Berlin, 23.10.2003
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